Die Würde des Menschen

06. Kasım 2026

Verehrte Muslime!

Unsere heutige Hutbe befasst sich mit der Würde des Menschen.

Der Mensch ist das edelste Wesen, das Allah Taʿālā erschaffen hat. Allah Taʿālā hat ihm unzählige Eigenschaften und Vorzüge verliehen, die Er anderen Geschöpfen nicht gegeben hat. Zu diesen Vorzügen zählen unter anderem:

  • dass der Mensch – im Gegensatz zu anderen Lebewesen, die sich mit dem Bauch nach unten gerichtet fortbewegen – mit aufrechtem Gang erschaffen wurde,
  • dass er mit Händen und Fingern ausgestattet ist, die es ihm ermöglichen, Dinge zu greifen,
  • dass er über eine Sprache verfügt, mit der er seine Anliegen klar ausdrücken kann,
  • und dass er mit der Gabe des Verstandes beschenkt wurde, die es ihm erlaubt, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden.

Hazrat Muhyiddīn ibn al-Arabī sagt dazu: „Es gibt kein Geschöpf Allahs, das schöner ist  als der Mensch. Denn Allah Taʿālā hat ihn als ein Wesen erschaffen, das lebendig ist, über Wissen, Kraft und Willen verfügt, sprechen, hören und sehen kann, seine Angelegenheiten zu ordnen vermag und Weisheit besitzt. Diese Eigenschaften sind Eigenschaften Allahs, (die dem Menschen anvertraut wurden).” (Tafsīr al-Qurtubī, Sure at-Tīn, Ayat 4)

Unter all diesen menschlichen Eigenschaften gibt es eine Eigenschaft, die einzig den Menschen auf den Rang eines „insān-i kāmil”, also eines vollkommenen Menschen, erheben kann. Es ist „ilm”, das heißt Wissen.  Der Mensch erhebt sich in dem Maße, in dem er Wissen wertschätzt; in dem Maße, in dem er sich davon entfernt, sinkt er herab.

Unser Üstaz, Süleyman Hilmi Silistrevī, brachte diese Wahrheit wie folgt zum Ausdruck: „Mein Sohn, ohne Wissen hat die Anbetung keinen Geschmack. Ein Vogel mit nur einem Flügel kann nicht fliegen. In dieser Zeit, in der die Menschen im Weltlichen versinken und nur noch nach irdischer Zukunft streben, werden wir das Wissen Allahs studieren. Denn dies ist ein erhabenes Unterfangen, das dem Menschen in beiden Welten Ehre und Würde verleiht.“ (Ali Erol, Hatıratım)

Allah Taʿālā sagt hierzu in der Sure at-Tīn, Ayat 4:

„Wir haben den Menschen wahrlich in

schönster Gestalt erschaffen.”

Diese edlen Eigenschaften, die in der menschlichen Natur – der sogenannten Fitra – angelegt sind, gelten jedoch nicht als unveränderlich, sondern sind daran geknüpft, dass der Mensch sie schützt und bewahrt. Wer diese wertvollen anvertrauten Eigenschaften nicht bewahrt, sondern sie mit Rebellion und Bosheiten zerstört, für den gilt der fünfte Koranvers derselben Sure: „Hierauf haben Wir ihn (aufgrund seiner Rebellion) zu den Niedrigsten der Niedrigeren zurückkehren lassen.”

Liebe Muslime!

Wer den Wert der eigenen Existenz nicht erkennt, nicht über den Sinn des eigenen Daseins nachdenkt, und den Zweck des eigenen Daseins verfehlt und so die eigene Natur befleckt, schadet nicht nur der eigenen Würde, sondern missachtet auch die Würde anderer.

Hazrat Ali (karramallāhu wadschhah) mahnt uns in dieser Hinsicht wie folgt: „(O Mensch!) Das Heilmittel liegt in dir, doch du siehst es nicht. Deine Krankheit entspringt dir selbst, doch du bist dessen nicht bewusst. Du glaubst, du seist ein kleines Wesen. Dabei ist in dir das große Universum zusammengefaltet.”

Im Islam werden Menschen nicht nach ihrer Hautfarbe, ihrer ethnischen Herkunft, ihrem Geschlecht, ihrer Armut oder ihrem Reichtum beurteilt, sondern danach, ob sie den wertvollen Kern bewahren können, der in ihrem Innersten und in ihrer natürlichen Veranlagung innewohnt. Unser Prophet (s.a.w.) sagte in einem Hadith Scharīf: „Wahrlich, Allah schaut nicht auf euer Äußeres und euren Besitz, sondern Er blickt auf eure Herzen und eure Taten.” (Sahīh al-Dschāmi’, 1862)

Zur Zeit des Kalifen Umar (r.a.) lieferte sich der Sohn von Hazrat Amr ibn Ās, dem damaligen Statthalter von Ägypten, ein Pferderennen mit einem ägyptischen Kopten. Am Ende überholte der Kopte den Sohn von Hazrat Amr. Da der Sohn des Statthalters diese Niederlage nicht ertragen konnte, schlug er mit der Peitsche auf den Kopten ein und berief sich dabei auf seine vornehme Abstammung.

Als der Kopte später nach Medina reiste, beschwerte er sich beim Kalifen Umar (r.a.). Der Kalif schrieb einen Brief an Amr ibn Ās und befahl ihm, gemeinsam mit seinem Sohn nach Medina zu kommen. Nach einer Untersuchung stellte Umar (r.a.) fest, dass der Kläger im Recht war. Er gab dem Kopten eine Peitsche und wies ihn an, den Sohn von Amr ibn Ās damit zu schlagen. Der Kopte schlug so oft zu, wie er geschlagen worden war, und erhielt so Genugtuung. Dann wandte sich Umar (r.a.) an Amr ibn Ās und tadelte ihn mit den Worten: „Seit wann machst du die Menschen, die von ihren Müttern als Freie geboren wurden, zu Sklaven?”

Wie bedeutungsvoll sind doch die Worte unseres Propheten (s.a.w.) aus seiner Abschiedspredigt: „O ihr Menschen! Wahrlich, euer Herr ist Einer und wahrlich, auch euer Vater ist einer. Ihr alle stammt von Ādam und Ādam wurde aus Erde (erschaffen). Ein Araber hat gewiss keinen Vorzug gegenüber einem Fremden, noch ein Fremder gegenüber einem Araber. Noch ist ein Weißer besser als ein Schwarzer oder ein Schwarzer besser als ein Weißer. Der Angesehenste von euch bei Allah ist der Gottesfürchtigste unter euch.” (Musnad, Hadisnr. 23381)

Liebe Muslime!

Wir, als Verband der Islamischen Kulturzentren, nehmen weiterhin Anmeldungen für den Hadsch und die Umra entgegen. Glaubensgeschwister, die noch in diesem Jahr eine Umra vollziehen möchten, werden gebeten, sich schnellstmöglich anzumelden. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an unsere zuständigen Einrichtungen.