Die Verwandtschaftsbande (silat ar-rahim)

26. Haziran 2026

Verehrte Muslime!

Unsere heutige Hutbe handelt von silat ar-rahim, der Pflege der Verwandtschaftsbande. In der islamischen Terminologie bedeutet silat ar-rahim, die Bande der Verwandtschaft in Liebe und Respekt lebendig zu halten, indem man Verwandte - angefangen bei den Eltern bis hin zu den engsten Blutsverwandten und der Schwägerschaft - besucht, sich nach ihrem Wohlergehen erkundigt, ihre Freuden und Sorgen teilt und ihnen in Notsituationen beisteht.

Für Muslime ist die Wahrung dieser familiären Bindungen nicht nur eine moralische Pflicht, sondern zugleich ein göttliches Gebot und eine religiöse Verpflichtung.

Es ist unerlässlich, den Eltern, die uns auf die Welt gebracht haben, Ehrerbietung entgegenzubringen. Ebenso wichtig ist es, unseren Lehrern und spirituellen Vorbildern Respekt und Verbundenheit zu zollen, die unsere Seelen zur Reife geführt und uns den Weg der Rechtleitung gezeigt haben.

Dieser Aspekt wird in zahlreichen edlen Ayats und segensreichen Hadithen nachdrücklich hervorgehoben. In dem von mir soeben rezitierten Koranvers wird die Bedeutung dieses Themas wie folgt unterstrichen: „Und fürchtet Allah, in Dessen Namen ihr einander bittet, und (achtet) die Verwandtschaftsbande. Wahrlich, Allah wacht stets über euch.” (Sure an-Nisā, 4:1)

Unser Prophet (s.a.w.) besaß diese tugendhafte Eigenschaft bereits, bevor er zum Propheten berufen wurde. Als er, tief bewegt von der ersten Offenbarung, die er empfangen hatte, nach Hause zurückkehrte, sagte unsere Mutter Hadīdscha zu ihm: „Nein, bei Allah, Allah Taʿālā wird dich niemals beschämen, denn du pflegst die Verwandtschaftsbande.” (Al-Buchārī, Wahy, 3 (3))

Auch in den ersten Stunden nach seiner Ankunft in Medina nach der Auswanderung war einer der ersten Ratschläge, die unser Prophet (s.a.w.) den Menschen gab, die sich um ihn versammelt hatten, die Pflege der Verwandtschaftsbande. Er sagte: „O ihr Menschen, verbreitet den Salām, den Friedensgruß, gebt Essen aus, pflegt die Verwandtschaftsbande (brecht den Kontakt zu euren Verwandten nicht ab), betet nachts, während die Menschen schlafen, so werdet ihr in Frieden ins Paradies eingehen.“ (At-Tirmidhī, Atʿima 1 (3251))

Liebe Muslime!

Der gesellschaftliche Frieden beginnt mit der Einheit der Herzen innerhalb der Familie und der Verwandtschaft. Die Verletzung dieser Bande treibt die Menschen in Egoismus und Eigennutz - ein Zustand, der den gesellschaftlichen Frieden zerstört. Der Islam lehnt eine solche egoistische Haltung, die sowohl das Individuum als auch die Gesellschaft verdirbt, entschieden ab.

Wenn sich Verwandte gegenseitig unterstützen, sinkt folglich die Zahl derer, die der Gesellschaft zur Last fallen. Durch die geistige Kraft, die ein Mensch von seinen Verwandten schöpft, gewinnt er an Selbstvertrauen, findet festen Halt im Leben, entwickelt seine Persönlichkeit und blickt zuversichtlich in die Zukunft. Andernfalls sind wirtschaftliche, psychische und moralische Probleme unvermeidlich.

Zu den schönen Erfahrungen eines jeden von uns gehört es, dass die Fürsorge insbesondere für alte und kranke Verwandte, das Fragen nach ihrem Wohlergehen und die Erfüllung ihrer Bedürfnisse, ein überaus großes Geschenk und eine Quelle der Freude für sie in den schwierigen Zeiten des Alters ist. Im Gegenzug beten sie innig für ihre Angehörigen, die sie nicht im Stich gelassen haben.

In einem Koranvers wird die Bedeutung der Verwandtschaftsbande wie folgt beschrieben: „(Wollt) ihr denn, wenn ihr euch (vom Glauben) abkehrt, auf der Erde Unheil stiften und eure Verwandtschaftsbande zerreißen? Das sind diejenigen, die Allah verflucht; so macht Er sie taub und lässt ihre Augen erblinden.” (Sure Muhammad, 47:22-23)

Die Verwandtschaftsbande nicht zu brechen und, wenn nötig, in dieser Hinsicht verzeihend und versöhnlich zu sein, sind Tugenden, die einen Menschen sowohl in diesem Leben als auch im Jenseits besonders auszeichnen.

In diesem Sinne wollen wir unsere Hutbe mit einem Hadith Scharīf abschließen, der besagt, dass die Pflege der Verwandtschaftsbande zur Fülle an Lebensunterhalt führt: „Wer sich Fülle an Lebensunterhalt und ein langes Leben wünscht, soll die Verwandtschaftsbande pflegen.” (Al-Buchari, Adab, 12 (5986))