Die Bedeutung des rituellen Gebets
18. Eylül 2026
Verehrte Muslime!
In unserer heutigen Hutbe geht es um die Bedeutung des rituellen Gebets, das im Arabischen salāh und im Türkischen namaz genannt wird.
Der Sinn unserer Schöpfung ist es, Allah zu dienen. Dabei stehen die gottesdienstlichen Pflichten an erster Stelle. Das rituelle Gebet stellt den Höhepunkt dieser Pflichten dar. Während der Hadsch für wohlhabende Muslime einmal im Leben und die Zakat jährlich verpflichtend sind, ist das rituelle Gebet für alle – ob reich oder arm - fünfmal täglich Pflicht. Dies verdeutlicht die essenzielle Bedeutung des Gebets.
Darüber hinaus gibt es weitere Aspekte, die dessen Wichtigkeit unterstreichen. So ist es einem Muslim, der den Hadsch aus triftigem Grund nicht selbst vollziehen kann, gestattet, einen Stellvertreter zu beauftragen. Ebenso dürfen ältere Menschen, die nicht mehr fasten können, für die versäumten Tage Fidya, also eine Ersatzzahlung, leisten. Für das rituelle Gebet hingegen sind weder Stellvertretung noch eine Ersatzleistung zulässig.
Unser Prophet (s.a.w.) brachte den Stellenwert des Gebets im Glauben treffend auf den Punkt, als er sagte: „Das rituelle Gebet ist die Säule der Religion. Wer es ordnungsgemäß verrichtet, hält die Religion aufrecht. Wer es zerstört, (indem er es unterlässt), zerstört die Religion.” (Vgl. al-Bayhaqī, Schu’ab ul-Iman, Hadisnr. 2550)
Liebe Muslime! Wenn das Gebet aufrichtig und unter Einhaltung der Vorschriften und Verhaltensregeln verrichtet wird, hält es den Menschen von Schlechtigkeiten fern. Dies wird in dem Ayat, den ich zu Beginn meiner Hutbe vorgelesen habe, folgendermaßen erklärt: „Verlies, was dir vom Buch offenbart wurde, und verrichte das Gebet. Wahrlich, das Gebet hält von Schändlichem und Verwerflichem ab. Und das Gedenken Allahs ist wahrlich am größten. Und Allah weiß, was ihr tut.” (al-Ankabut, 29:45)
Denn wer das Gebet bewusst verrichtet, bekundet fünfmal täglich seine Verbundenheit zu Allah Taʿālā, erweist Ihm seine Ehrerbietung und legt Rechenschaft ab. Nach dem Iman ist das rituelle Gebet die tugendhafteste Ibāda, da es alle anderen gottesdienstlichen Handlungen umfasst. Es birgt in sich materielle Ibādāt wie die Zakat, da für die Bedeckung des Schambereichs Kleidung gekauft werden muss. Es ähnelt dem Hadsch, da die Ausrichtung zur Kaaba Pflicht ist. Es ähnelt dem Iʿtikāf, da man während des rituellen Gebets an einem Ort verweilen muss. Die Absicht ist eine Bedingung des Gebets und enthält somit Ichlas, also Aufrichtigkeit. Es ähnelt dem Fasten, denn ab dem Iftitāh-Takbir ist dem Betenden allgemein erlaubte Handlungen verboten. Es umfasst auch körperliche Ibādāt, da die Gliedmaßen zur Ausführung des Qiyām, der Qirā’a, des Rukū und der Sadschda zum Einsatz kommen. Schließlich gibt es die Belohnung des Dschihads, wenn man sich bemüht, teuflische und egoistische Einflüsterungen und Gedanken abzuwehren, die einem während des Gebets in den Sinn kommen. (Abdullatīf, Madschālis al-anwār, Huschūʿ)
Verehrte Muslime! Das Gebet ist das beste Mittel, um unsere Herzen zu reinigen, die durch den Sumpf der Sünden, in den wir täglich bewusst oder unbewusst geraten, beschmutzt werden.
Unser Prophet (s.a.w) erklärte diesen Sachverhalt in einem Hadith Scharīf wie folgt: „Stellt euch vor, wenn vor der Tür eines von euch ein Fluss wäre, in dem er sich fünfmal am Tag waschen würde, würde dann noch irgendein Schmutz zurückbleiben?” Die Gefährten antworteten: „Nein, nichts von seinem Schmutz würde zurückbleiben.” Der Prophet sagte: „So verhält es sich mit den fünfmal täglichen Gebeten. Allah Taʿālā tilgt durch sie die Verfehlungen.” (Muslim, Masādschid, 1071)
Vergesst das nicht! Die Größe der Segnungen steht in engem Verhältnis zu den damit verbundenen Verpflichtungen. Ebenso groß ist die Schuld, wenn man diese wichtigen Ibādāt vernachlässigt. In einem Hadith Scharīf sagte unser Prophet (s.a.w.): „Die erste (Angelegenheit), über die der Diener am Tag der Auferstehung zur Rechenschaft gezogen wird, ist das rituelle Gebet. Ist es in Ordnung, so werden auch die übrigen Taten in Ordnung sein. Ist es mangelhaft, werden auch die übrigen Taten mangelhaft sein.” (As-Suyūtī, al-Dschāmi as-saghīr, 2818)
Imam Rabbānī schreibt in seinem Werk „al-Maktūbāt”: „Es ist notwendig, die fünf täglichen Gebete in der Gemeinschaft zu verrichten, ohne Nachlässigkeit und unter strikter Beachtung des Taʿdīl al-arkān, der korrekten Ausführung der Gebetshaltungen. Das rituelle Gebet ist eine gottesdienstliche Handlung, die den Islam vom Unglauben unterscheidet. Wenn es einem gelingt, das Gebet gemäß der Sunna zu verrichten, hält man sich wahrhaftig fest am Seil des Glaubens. Denn das Gebet ist die zweite der fünf Säulen des Islam.“
Angesichts dieser Tatsache, lohnt es sich überhaupt, das jenseitige Leben zu ruinieren, indem wir das rituelle Gebet der Nachlässigkeit opfern?