VIKZ -
Verband der Islamischen Kulturzentren e. V.

Der Verband der Islamischen Kulturzentren e.V. ist eine bereits im Jahr 1973 in Köln gegründete islamische Religionsgemeinschaft und ein unabhängiger und überparteilicher gemeinnütziger Verein.

Ziel und Zweck der Verbandsarbeit des VIKZ ist die allumfängliche religiöse sowie soziale und kulturelle Betreuung der Muslime in Deutschland. Weitere Kernaufgabe ist der Einsatz für die Akzeptanz des Islam und der Muslime als Teil der deutschen Gesellschaft sowie der interkulturelle Austausch. Hierzu arbeitet der VIKZ als anerkannter Partner mit vielen anderen religiösen, gesellschaftlichen und staatlichen Institutionen der Bundesrepublik Deutschland auf kommunaler, Landes- und Bundesebene zusammen.

Organisationsstruktur

Dreigliedrige Organisationsstruktur des Verbandes:

  • Dachverband
  • 9 Landesverbände
  • ca. 300 lokale Moschee- und Bildungsvereine
Vorstand

Der sechsköpfige Bundesvorstand setzt sich aus folgenden Personen zusammen:

 

Präsident: Ali Yılmaz
Vizepräsident: Kazım Per
Vizepräsident: Muhlis Şahin
Generalsekretär: Tahsin Yazgan
Schatzmeister: Adnan Demir
Vorstandsmitglied: Mahmut Arslanbaş
Grundsätze

Der Verband bekennt sich zum Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Seine Arbeit und Ziele stehen im Einklang mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Er setzt sich für das Gemeinwohl ein und fördert das friedliche Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlicher religiöser und ethnischer Herkunft in unserer Gesellschaft. Dabei ist gegenseitige Achtung, Respekt und Toleranz jedem Menschen gegenüber sehr wichtig.

Der Verband ist parteipolitisch neutral und beachtet das Prinzip der Überparteilichkeit. Sein Leitbild beim Dienst (hizmet)  am Menschen leitet er aus dem folgenden Hadis des Gesandten Muhammed (a.s.) ab:


„Der beste Mensch ist derjenige, der anderen Menschen nützlich ist.“ (Tabarani, al-Mu’gam al-awsat, 5787)

Mystische Ausrichtung

Der Verband der Islamischen Kulturzentren ist eine sunnitische Religionsgemeinschaft, die in ihrer religiösen Praxis der hanafitischen Rechtsschule folgt.
Darüber hinaus bietet der VIKZ Muslimen, die sich mystisch betätigen wollen, Möglichkeiten der Ausübung bestimmter mystischer Elemente an. Die islamische Mystik (Sufismus, Tasawwuf) setzt die absolute Liebe zum Schöpfer in den Mittelpunkt ihres Denkens und Handelns. Neben der Erfüllung der religiösen Pflichten sucht der Sufi die Gottesnähe und strebt nach der Gotteserkenntnis (marifetullah).

In seiner mystischen Ausrichtung orientiert sich der Verband an der Lehre der Naqschibendiyye, eine nüchterne sunnitische Sufigemeinschaft, die im 14. Jahrhundert in Zentralasien entstand. Unter den Gründern des VIKZ im Jahre1973 befanden sich in Köln Schüler des Gelehrten Süleyman Hilmi Tunahan (q.s., 1888-1959), der selbst in den osmanischen Hochschulen als Theologieprofessor tätig war und auch als Murschid (Sufimeister) die mystische Lehre der Naqschibendiyye weitergab.

 

Elemente der islamischen Mystik:

„Wahrlich durch Gedenken an Allah werden die Herzen stille“ (Sure 13:23)

  • Der stille Zikr (zikr hafi) ist eine Form der Meditation, bei welcher der Teilnehmer sich innerlich Gott zuwendet und ihm gedenkt.
  • Ichlas-Hatm/Ichlas-Lesung: Beim Ichlas-Hatm wird die Sure 112 (Ichlas) eintausendmal gemeinschaftlich rezitiert. Dabei wird sie gleichmäßig auf die Teilnehmer verteilt.
  • Sohbet bezeichnet einen religiösen Gesprächskreis, bei dem allgemeine religiöse und im Speziellen mystische Themen behandelt werden.

 

Süleyman Hilmi Tunahan (q.s., gest. 1959)

Süleyman Efendi kam 1888 in Ferhatlar (aktuell Delchevo/Bezirk Razgrad) im heutigen Bulgarien zur Welt. Nach Abschluss der Fakultät für Exegese und Hadiswissenschaften war er an den Fatih- und Süleymaniye Medresen als "Dersiâm" (Universalprofessor, Gelehrte höchsten Grades des Hochschulwesens im Osmanischen Reich) tätig.

Mit der Vereinheitlichung des Bildungs- und Erziehungswesens (tevhidi tedrisat) in der neugegründeten türkischen Republik wurden im Jahre 1924 die Medresen abgeschafft. Dadurch verloren tausende Professoren ihr Amt als Hochschullehrer und durften sich lediglich als Prediger betätigen. Süleyman Efendi predigte als Staatsbediensteter in den sogenannten großen Sultansmoscheen in Istanbul.

Mit der Einführung des Mehrparteiensystems ab 1946 und der Lockerung der Restriktionen im Bildungswesen durch die neugewählte Regierung gründete Süleyman Efendi ohne jegliche staatliche Unterstützung eine Privatschule für religiöse Grundausbildung (Kur’an Kursu). In kurzer Zeit bildete er viele Imame aus, die von der damaligen Diyanet İşleri Başkanlığı als Imame, Muezzine, Prediger und Muftis übernommen und in unterschiedlichen Moscheen eingesetzt wurden.

Erst nach dem Tod von Süleyman Efendi wurden in den 60er Jahren seine Schüler von manchen Kreisen innerhalb der damaligen Diyanet İşleri Başkanlığı (Präsidium für religiöse Angelegenheiten) diskriminiert und mit „Süleymancı“ etikettiert.

Süleyman Efendi und seine Schüler sind Angehörige des sunnitischen Islam und der hanefitischen Rechtsschule. Mystisch orientieren sie sich an der Naqschibendiyye. Diese Ausrichtungen des Islam sind fern vom Extremismus und Fanatismus und verfolgen eine moderate Linie. Süleyman Efendi hat weder eine neue Religion, noch eine neue Glaubensrichtung innerhalb des Islam noch eine neue Rechtsschule, noch einen mystischen Orden gegründet.

Nach all diesen Ausführungen gilt es festzuhalten, dass die Bezeichnung Süleymancı bzw. Süleymancılık“ für Angehörige des Verbandes der Islamischen Kulturzentren bzw. für Schüler von Süleyman Efendi unzutreffend ist.

Imamausbildung in Deutschland

Der VIKZ bildet als einziger islamischer Verband schon seit den achtziger Jahren seine Imame in Deutschland aus. Diese sind in Deutschland geboren oder aufgewachsen, wurden hier sozialisiert, fühlen sich in Deutschland zuhause und bringen sowohl sprachliche als auch soziale Kompetenzen mit.

Finanzierung

Der VIKZ finanziert sich aus­schließ­lich über Mit­glieds­­bei­­träge und Spenden. Dem Verband sind bundes­weit ca. 300 selbst­ändige Gemein­den und Bil­­dungs­­ver­eine ange­schlossen.