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Der Sinn des Opferns (Kurban)

14. Juni 2024

Verehrte Muslime!

In unserer Hutbe geht es um den tiefen Sinn der Gebote des Islams und des Opferns.

Alle Gebote unserer erhabenen Religion, des Islams, leiten sich aus den islamischen Quellen, dem Koran, der Sunna, dem Konsens (Idschmā’), und dem Analogieschluss (Qiyās) ab. Ihr Ziel ist  der Schutz des Individuums, seiner Religion, seines Verstandes, seiner Nachkommen und seines Eigentums. Zu den Zielen gehören auch Aspekte wie das Gemeinwohl, die Gerechtigkeit, die Beseitigung von Schwierigkeiten und die Verringerung der Verantwortung.

Nach der Ahl as-Sunna wa l-Dschamā’a sind alle Bestimmungen des Islams und seine Gebote gut. Der Verstand, der eine große Gabe Allahs an die Menschen ist, kann die Schönheit mancher Gebote verstehen, andere jedoch nicht. Aber wenn er etwas nicht versteht, kann er nicht sagen: „Das ist nicht gut!”

Die Opferung, die wir inschāAllah am kommenden Sonntag vollziehen werden, ist auch ein großes materielles Gebot des Islams und birgt viel Weisheit in sich. Der Kurban, das Opfer also, ist ein besonderes Tier, das mit der Absicht der Anbetung geschlachtet wird, um sich der Barmherzigkeit Allah Ta’ālās zu nähern.

Nach der hanafitischen Rechtsschule ist das Opfern am Opferfest in der Absicht der Anbetung für jeden freien und wohlhabenden Menschen muslimischen Glaubens, der sich nicht auf der Reise befindet, wādschib, also verpflichtend. In den malikitischen, schafiitischen und hanbalitischen Rechtsschulen hat sie den Charakter einer sunna mu’akkada, also einer starken Sunna. Es ist verpönt, sie zu unterlassen. Denn der edelmütige Gesandte (s.a.w.) sagte in einem edlen Hadith: „Wer es sich leisten kann (vermögend ist) und nicht opfert, der soll sich unserer Gebetsstätte nicht nähern!” (Ahmad b. Hanbal, 8273; Ibn Madsche, Adahi, 2 (3123)

Einer der Punkte, die bei diesem Gebot zu beachten sind, ist, dass das Opfer nur zum Zwecke der Anbetung  geschlachtet werden darf, um das Wohlgefallen Allahs zu erlangen und Ihm näher zu kommen. Dazu heißt es sinngemäß in der Sure al-Kawsar: „Wahrlich, Wir haben dir den Kawsar (die Fülle), gegeben. So verrichte das Gebet für deinen Herrn und opfere.” Da das Gebot „opfere” zusammen mit dem Gebot „verrichte das Gebet” genannt wird, gilt auch hier die Bedingung „für deinen Herrn”. Es besagt also „Verrichte das Gebet für deinen Herrn!” und „Opfere für deinen Herrn!” Beides soll für Allah mit aufrichtiger Absicht geschehen. Ein Opfer, das nicht für Allah geopfert wird, ist kein Opfer, ebenso wie ein Gebet, das nicht für Allah ist, kein Gebet ist.

In der Sure al-Hadsch, Ayet 37, heißt es: „Weder ihr Fleisch noch ihr Blut erreicht Allah, aber es ist eure Ehrfurcht (Taqwā), die Ihn erreicht...”

Liebe Muslime! Dieser und andere edle Ayets und Hadithe zeigen, dass das Opfern ein Zeichen der Dankbarkeit für die materiellen und immateriellen Gaben Allahs ist und einer der besten Mittel, um Allah näher zu kommen. Es ist eine gute Gelegenheit, die Herzen der Armen und der Bedürftigen zu erfreuen, und ein wunderbares Mittel, um Brüderlichkeit, Einheit und Eintracht zu fördern.

Das Opfern ist kein Verbrechen, wie manche Intoleranten behaupten, sondern im Gegenteil der Ausdruck einer Zivilisation, die das Gefühl der Barmherzigkeit gegenüber Menschen und anderen Lebewesen fördert. Der Gläubige, der einmal im Jahr einen Kurban schlachtet, sieht, wie sich diese prächtigen Tiere mit Allahs Erlaubnis Ihm unterwerfen, ihr Leben für Ihn opfern und Ihm gehorchen. Er zieht daraus seine großen Lehren und denkt: „Auch ich muss mich Allah unterwerfen, Der uns diese Tiere unterworfen hat, und mich Ihm ergeben. Ich muss mich Seinen Geboten hingeben und in der Lage sein, wenn nötig, mein Leben für Allah herzugeben. Ich muss Mitleid haben mit allen Geschöpfen, die Er erschaffen hat.

„Der Kurban hat sieben wichtige materielle und spirituelle Nutzen. Der Kurban löscht den göttlichen Zorn. Er zieht das Wohlgefallen Allahs nach sich. In einem Land, in dem viele Kurbans geschlachtet werden, gibt es keinen Krieg. Wenn jemand, der es sich leisten kann, kein Opfer darbringt, wird mit Sicherheit Blut fließen,  entweder von ihm selbst oder von seinen Familienangehörigen oder von seinem Besitz, seinem Handel, seinen Gütern. Es gibt einen allgemeinen Nutzen und einen absoluten Gewinn beim Opfern für die Kinder und für die Armen. Im Opferfest manifestiert sich die umfassende göttliche Vergebung.”