Aktuelle Freitagspredigt

Die Bedeutung der Gesundheit im Islam

21. Januar 2022

18. Dschumadal-Achira 1443

Verehrte Muslime,

Unsere Hutbe handelt von der Bedeutung der Gesundheit im Islam.

Eine der unzähligen Gaben Allah Te’alas ist die Gesundheit, die er uns beschert hat. Es ist notwendig, die Bedeutung dieser Gabe zu verstehen und dafür zu danken.

Der Islam misst sowohl dem körperlichen als auch dem geistigen Wohlbefinden der Menschen höchste Bedeutung bei. Daher hat der Schutz der Gesundheit vor Krankheit (höchste) Prioriät. Somit kommt der Präventivmedizin eine hohe Bedeutung zu.

Alle Dinge, die in unserer Religion haram sind, schaden sowohl der körperlichen als auch der geistigen Gesundheit. In den Dingen hingegen, die helal sind, gibt es verschiedene Nutzen. In der Sure al-A’raf, 7:157, heißt es hierzu: “(Der Gesandte) erklärt ihnen die guten Dinge für helal (erlaubt) und die schlechten Dinge für haram (verboten).”

Der Schutz der Gesundheit wird in einem Hadis Scherif folgendermaßen betont: “Es gibt zwei Gaben, bei denen sich viele der Menschen täuschen: Gesundheit und Freizeit.” (Buchari, Hadis 6412)

Der Gelehrte Hazret Ebu’l-Faruk Silistrevi sagt: “Der Schutz des Körpers, die Sorge um seine Gesundheit und ihre Bewahrung gehören zu akdem-i feraiz, das heißt zu den vorrangigsten Pflichten.” (Mektuplar Risalesi, S. 1 29)

 

Die erste Bedingung der Gesundheit ist Sauberkeit. Bei der Betrachung der islamischen Quellen sehen wir, dass Sauberkeit das erste Kapitel der Fiqh-Werke darstellt. Einer Person ohne Wudu wird befohlen fünf mal am Tag die Körperteile, die mit der Außenwelt in Berührung kommen, rituell zu reinigen. Sowohl vor als auch nach den Mahlzeiten sowie nach dem Toilettengang ist es eine Sunna im Islam, die Hände zu waschen. Das Reinigen der Zähne mit Miswak bei jeder rituellen Waschung, das Schneiden von Nägeln, das Waschen der Haare und das Kämmen, das Sauberhalten von Kleidung, Häusern, Straßen, Städten, Flüssen und Wasserquellen werden durch Ayets und Hadisen empfohlen und haben ihren Platz in den Fiqh-Büchern eingenommen.

So soll erstens, ein Muslim seine Wohnung nicht mit den Straßenschuhen betreten und dafür sorgen, dass Keime von der Straße nicht ins Haus gelangen. Darüber hinaus soll er auf die Körperpflege und auf die Sauberkeit der Umwelt achten.

Zweitens, auch in unserer Religion gibt es betimmte Grundsätze wie Quarantänemaßnahmen zum Schutz vor ansteckenden Krankheiten und Hygienemaßnahmen für Patienten.

“Wen ihr zu Hören bekommt, dass an einem Ort (eine ansteckende Krankheit wie) die Pest vorhanden ist, dann betretet ihn nicht. Wenn sie jedoch an einem Ort ausbricht, in der ihr zugegen seid, so verlässt ihn nicht.”, so unser Prophet (s.a.w.) (Buchari, Hadis 5728)

Drittens, Fleisch von verendeten Tieren, Blut, Schweinefleisch, Drogen und Alkohol wurden unter anderem verboten, um Krankheiten durch Nahrungsaufnahme vorzubeugen.  Dagegen werden gesundheitsfördernde Lebensmittel empfohlen. Nichtsdestotrotz ist es eine Sunna, zu essen, wenn man hunger hat und aufsteht, bevor man satt ist. Es ist verpönt (mekruh) sich vollzustopfen.

Viertens, unislamische Handlungen wie außereheliche und gleichgeschlechtliche Beziehungen wurden unter anderem verboten, um Krankheiten durch Geschlechtsverkehr einzudämmen. Es wird befohlen, Frauen während ihrer besonderen Tage geschlechtlich nicht näher zu kommen. Darüber hinaus ist es Pflicht für Frauen, nach dem Ende ihrer besonderen Zustände sich gänzlich zu waschen sowie für beide Ehepartner nach jedem geschlechtlichen Akt.

Fünftens, ein wichtiges Gebot zur Vorbeugung von psychologischen Krankheiten des Einzelnen als auch der Gesellschaft ist unter anderem der Glaube an Allah und an das Qader (Vorhersehung). Geduld in Krankheit, Not und Leid werden mit großem Lohn ausgezeichnet. Hoffnungslosigkeit gegenüber Allah, Suizid, das heißt sich selbst zu töten, sind haram. Darüber hinaus sind auch schlechte Angewohnheiten wie Groll, Neid, Hass und Entscheidungen aus Wut nicht erlaubt.

Trotz alledem können Menschen auch krank werden. Dann ist das Gebot (der Stunde und) unserer Religion die medizinische Behandlung und Heilung. Rasulullah (s.a.w.) spricht hierzu: “O Diener Allahs, lasst euch behandeln. Wahrlich, Allah hat keine Krankheit bestimmt, für die Er keine Heilung bestimmt hat, ausgenommen das Altern.” (Taberani, Mugdscham al-Kabir, Hadis 467)