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Die Bedeutung des Helal-Happens

12. August 2022

14. Muharram 1444

Verehrte Muslime,

Unsere heutige Hutbe handelt von der Bedeutung des guten erlaubten Happens (helal lokma). Helal bedeutet wörtlich erlaubt sein. Haram hingegen sind Dinge, die verboten sind.

Nach dem islamischen Selbstverständnis sind helal und haram, Grenzen, die Allah Te’ala seinen Dienern selbst gesetzt hat. Keiner hat das Recht, helal als haram und haram als helal zu erklären. Daher ermahnt Allah Te’ala seine Diener, indem er sagt: „Dies sind Allahs Grenzen, so kommt ihnen nich nahe.” (al-Baqara, 2:187)

In einem anderen Ayet informiert er diejenigen, die sich mit Helal nicht begnügen, aus Kühnheit die Grenzen überschreiten und  in das Feld des Harams eindringen, mit welchen Folgen sie zu rechnen haben: „Wer sich aber Allah und Seinem Gesandten widersetzt und Seine Grenzen überschreitet, den wird Er in ein Feuer eintreten lassen, in dem er ewig bleiben wird. Und für ihn gibt es eine schmachvolle Strafe.” (an-Nisa, 4:14)

Beim Verdienen des Lebensunterhalts ist der Mensch frei gestellt, seinen Willen in Richtung helal oder haram zu lenken. Helal-Nahrung ist wie ein Quellwasser, das nützliche Mineralien für den Körper enthält und von Schadstoffen bereinigt ist. Es ist sowohl für unseren materiellen Körper als auch für unsere Seele von Nutzen. Haram-Nahrung hingegen ist wie ein Wasser, das im Freien dahinfließt und mit vielen schädlichen Sunbstanzen vermischt ist. Es macht einen körperlich und seelisch krank.

Als Krönung der Schöpfung verdient der Mensch in Bezug auf Ernährung die beste und reinste Nahrung wie auch bei allen anderen Aspekten. Das weite Feld des Helals zu verlassen und sich dem Haram, den verbotenen Dingen hinzugeben, bedeutet sich selbst Unrecht zu tun. Daher teilte Allah der Allmächtige Seinen Gesandten mit, dass Haram unrein ist und reinen Menschen nicht würdig ist, indem er sagte: „O ihr Gesandten, eßt von den guten Dingen und handelt rechtschaffen. Gewiß, ich bin über das, was ihr tut, allwissend.” (al-Mu’minun, 23:51)

In einem anderen Ayet wird die gesamte Menschheit angesprochen. So heißt es: „O ihr Menschen! Eßt von dem, was auf  Erden erlaubt und gut ist und folgt nicht den Fußstapfen des Satans. Er ist euch ein offenkundiger Feind.” (al-Baqara, 2:168)

Einige Kommentatoren haben die Worte „was erlaubt und gut ist” im besagten Ayet als reine Dinge ausgelegt, die vom haram und allen Zweifeln fern sind. (siehe Ruh al-Bayan, Kommentar zu Sure 2:168) Diese Tatsache wird unter anderem mit dem folgenden Hadis Scherif verdeutlicht: „Wahrlich, das, was helal ist, ist klar und auch was haram ist, ist klar. Zwischen diesen beiden gibt es zweifelhafte Dinge, die viele Menschen nicht wissen. Wer sich von zweifelhaften Dingen fernhält, hält seine Religion und seine Würde rein. Und wer in zweifelhafte Dinge verfällt, fällt ins Haram wie ein Hirte, der um eine geschützte Zone herum weidet  und im Begriff ist in dieses hineinzugeraten. Seid aufmerksam! Gewiß, jeder Besitzer hat eine geschützte Zone. Seid aufmerksam! Die verbotene Zone Allahs sind die verbotenen Dinge.” (Buhari, İman 39; Muslim, Müsakat 107)

Gemäß der Regel „Dinge werden mit ihren Gegensätzen verstanden” können wir Helal besser verstehen, wenn wir die Haram-Angelegenheiten gut kennen. Es gibt Dinge, die im Kur’an Kerim und in den Hadis Scherifs als haram erklärt worden sind, die kein Raum für Zweifel übrig lassen. Daher gilt es, sie zuerst zu vermeiden. Dazu gehören beispielsweise Verzehr von Fleisch, das nicht islamisch rituell geschlachtet ist, Blut, Schweinefleisch,  Fleisch von Tieren, die in Namen von anderen als Allah geschlachtet werden, alkoholische Getränke, berauschende Mittel, Zinsgeschäfte und Bestechung. Darüber hinaus sind Diebstahl, Raub, Betrug, und unrechtmäßig erworbenes Vermögen auch verboten. Rasulullah (s.a.w.) sagte: „Ein Köper, der sich von Verbotenem nährt,  wird nicht in die Dschennet eingehen.Die Hölle ist seiner am würdigsten.” (Musnad, Ahmad b. Hanbal, 14441) Daraus ist ersichtlich, das ein Körper, der mit Haram gefüttert wird, in die Hölle geworfen wird, genauso wie verdorbene Nahrung, die weggeworfen wird.