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Rechtschaffenen Frauen (Saliha)

20. Mai 2022

19. Schawwal 1443

Verehrte Muslime,

unsere Hutbe handelt von rechtschaffenen (saliha) Frauen.

„Wahrlich, der Angesehenste unter euch bei Allah, ist der Ehrfürchtigste von euch.“ (al-Hudschurat, 49:13) Mit diesem Ayet wird erklärt, dass Überlegenheit im Islam nur durch Taqwa, Ehrfürchtigkeit, gegeben ist. In dieser Hinsicht besteht kein Unterschied zwischen einem Mann und einer Frau. Unter den Awliyaullah, den Gottesfreunden, befinden sich sowohl Männer als auch Frauen. Sie werden im Kur’an Kerim folgendermaßen beschrieben: „Siehe, die Gottesfreunde haben nichts zu befürchten, und sie werden nicht traurig sein. Sie sind diejenigen, die den Iman verinnerlicht haben und Taqwa-gemäß (ehrfürchtig) handeln.“ (Sure Yunus, 10: 62-63) Wenn man aufmerksam zuhört, dann sieht man, dass hier die Betonung auf Iman und Taqwa liegt und keine Unterscheidung zwischen Mann und Frau gemacht wird. Die Grade der Gottesfreunde unterscheiden sich jedoch nach dem Grad ihrer Ehrfürchtigkeit. Wiederum erfahren wir aus dem Kur’an Kerim das ehrfürchtige Menschen sowohl muhlis, das heißt aufrichtig sind, als auch muhlas sein können, das heißt von Fuß bis zum Kopf mit Aufrichtigkeit geprägt.  (Vgl. al-Hidschr, 15:40; Sad, 38:83) Allah der Erhabene lobt rechtschaffene Frauen folgendermaßen: „Darum sind die rechtschaffenen Frauen (Allah) demütig ergeben und bewahren bei Abwesenheit (ihrer Gatten) das, was Allah zu bewahren befiehlt.“ (Sure an-Nisa, 4:34)

Bei der Interpretation dieses Ayets schreiben die Kommentatoren: „Rechtschaffene Frauen sind diejenigen, die die Religion aufrichtig leben und Wohltaten erbringen. Sie sind ihren Ehemännern gegenüber treu und gehorchen Allah Te’ala. Bei Abwesenheit ihrer Ehemänner hüten sie ihre Keuschheit, dessen Hab und Gut sowie Rechte und Pflichten gegenüber Allah. Und Allah behütet sie. Daher behandelt eure Frauen gut.“ (Tabari, Tafsir Sure 4:34)

In einem Hadis Scherif hob unser Prophet (s.a.w.) die Bedeutung einer rechtschaffenen Frau folgendermaßen hervor: „Die Welt ist etwas, woraus man Nutzen zieht. Die Nützlichste ist eine rechtschaffene Frau.“ (Muslim, 3465)

Liebe Muslime,

gemäß den Grundsätzen der Ahl as-Sunna gab es unter den Propheten, keine Frauen, wohl aber Frauen unter den Gottesfreunden. Dies wird von diversen Ayets und Hadis Scherifs bestätigt.

Beispielsweise wird in der Sure at-Tahrim, 66:11, die Frau des Pharaos, unsere Mutter Asiye, für gläubige Menschen als Vorbild erwähnt und ihre Nähe zu Allah hervorgehoben. Im zwölften Ayet dergleichen Sure wird die Mutter von Isa aleyhisselam unter den geliebten Dienern Allah Te’alas mit ihrer Keuschheit, Ehrfürchtigkeit, Loyalität und ihrem festen Glauben aufgeführt.

Wenn von rechtschaffenen Frauen gesprochen wird, werden wir nicht umhinkönnen, unsere Mutter Hazret Hadischa zu erwähnen, die als erste unserem Propheten gegenüber ihren Glauben bezeugte, ihn in seinem göttlichen Auftrag nicht im Stich ließ und all ihr Hab und Gut dem Propheten und dem erhabenen Din des Islam verschrieb. Auch zu nennen ist die ehrwürdige Tochter unseres Propheten, Fatima, über die die Nachkommenschaft unseres Propheten weiterging. Nicht zuletzt erinnern wir uns an unsere Mutter Aischa, die mit dem Kur’an Kerim erzogen wurde und bekannt ist für ihre Taqwa, ihre Weisheit, Keuschheit und zuhd, das heißt ihre weltliche Abstinenz. Und nicht zu vergessen, die übrigen Frauen unseres Propheten. Zu glauben, dass rechtschaffene Frauen nur im goldenen Zeitalter der Glückseligkeit existierten, würde bedeuten, dass man die Augen vor der Wahrheit verschließt. Die Geschichte des Islams ist Zeuge von vielen bekannten und unbekannten rechtschaffenen Frauen wie Rabia al-Adawiyya, as-Sayyida Nafisa und Zubayda Hatun, die Frau des Kalifen Harun ar-Raschid.

Auch in der jüngsten Geschichte gab und gibt es viele rechtschaffene Frauen unter den Gottesfreunden, die ein Leuchtturm darstellen, die nicht nur im stillen Kämmerlein sich mit Ibadat beschäftigen, sondern maßgeblich zur Verbesserung der folgenden Generationen beitragen, indem sie unzähligen Schülerinnen und Studentinnen Orientierung geben und sie in islamischer Lehre ausbilden. Wir sind all diesen Müttern und Schwestern, die mit dem Hadis Scherif: „Die Dschennet befindet sich unter den Füßen der Mütter.“ (Nesai, Dschihad, 6) gesegnet sind, zu Dank verpflichtet.