Üble Nachrede, Zuträgerei und Verleumdung

09. Oktober 2026

Verehrte Muslime!

Unser Prophet (s.a.w.), der auf Geheiß Allahs den Islam verkündete und uns durch seine edle Sunna zeigte, wie wir die Gebote unserer Religion befolgen sollen, sprach: „Ich wurde gesandt, um die guten Charaktereigenschaften zu vervollkommnen.“ (Al-Haythamī, Madschmaʿ az-zawāʾid, 9/18)

Unsere Religion besteht aus Īmān, Islam und Achlāq, also aus Glaube, Hingebung und Moral. Wir müssen unseren in den Herzen verankerten Glauben durch Ibādāt stärken und durch deren Einfluss auf unseren Charakter zu Menschen mit vorbildlichem Charakter heranreifen.

So wie es Elemente des guten Charakters gibt, so gibt es auch vielfältige Formen des schlechten Charakters, der das Gegenteil davon darstellt. Einige davon sind geistige Krankheiten, die sich wie Viren ausbreiten und nicht nur dem Einzelnen, sondern auch Familien, Verwandten und sogar der gesamten Gesellschaft schaden.

In meiner heutigen Hutbe möchte ich über geistige Krankheiten wie böswillige Verdächtigung, üble Nachrede, Zuträgerei und Verleumdung sprechen.

Wenn ein Muslim Ghība, also üble Nachrede, betreibt,  kommt dies, wie es im edlen Koran heißt, „dem Verspeisen des Fleisches seines verstorbenen Glaubensbruders” gleich.

Der Weg dorthin führt über sū az-zann, also böswillige Verdächtigung, und die Suche nach Fehlern. Wer nach Fehlern sucht, um seinen Glaubensbruder zu beschuldigen, gerät selbst in den Sumpf der üblen Nachrede. Daher sagt Allah Taʿālā in der Sure al-Hudschurāt, Ayat 12: „O ihr,  die ihr glaubt, meidet viele von den Mutmaßungen. Wahrlich, manche Mutmaßung ist Sünde. Spioniert nicht und führt keine üble Nachrede übereinander. Würde denn einer von euch gern das Fleisch seines Bruders essen, wenn dieser tot ist? Ihr verabscheut es doch. Fürchtet Allah. Wahrlich, Allah ist Reue-Annehmend und Barmherzig.”

Wer sich der großen Sünde der üblen Nachrede hingibt, gerät auf einen Weg, der ihn zu weiteren großen Sünden wie Verleumdung und Ungerechtigkeit führen kann. Abū Hurayra (r.a.) überlieferte Folgendes: „Unser Prophet (s.a.w.) wurde gefragt: ,O Rasūlullāh, was ist Ghība, also üble Nachrede?’ Der Prophet (s.a.w.) antwortete: ,Es ist, wenn du etwas über deinen Bruder sagst, was ihm nicht gefällt.’ Der Fragende sagte: ,O Gesandter Allahs, auch wenn das, was ich sage, auf meinen Bruder zutrifft?’ Unser Prophet antwortete: ,Wenn das, was du sagst, auf deinen Bruder zutrifft, dann hast du üble Nachrede begangen. Wenn es nicht auf deinen Bruder zutrifft, dann hast du ihn verleumdet.” (Ad-Durr al-Mansūr, al-Hudschurāt, Ayat 12)

Liebe Muslime!

Eine Charaktereigenschaft, die die üble Nachrede schürt, ist namīma, also Zuträgerei, das Weitergeben von Gerüchten und vertraulichen Gesprächen an andere. Gerade jene, die Zuträgerei betreiben,  sind Ursache vieler Unruhen. Unser Prophet (s.a.w.) sagte: „Wer Zuträgerei betreibt, kommt nicht ins Paradies.” (Muslim, 105)

Wer Menschen schätzt, die Gerüchte und Gerede weitertragen, gräbt sich damit sein eigenes Grab. Denn wer solche Worte überbringt, wird auch nicht davor zurückschrecken, die Worte der Person, der er sie zugetragen hat, an andere weiterzugeben. Selbst wenn ein solcher Zuträger die Wahrheit sagt, entstehen verheerende Katastrophen aus den Saatkörnern von Groll, Hass und Feindschaft, die er in der Gemeinschaft sät!

Einmal kam ein Zuträger zu Hasan al-Basrī (r.h.) und sagte: „Soundso hat hinter deinem Rücken schlecht über dich geredet.” Hasan al- Basrī fragte: „Wann, wo und was war das, und was hast du dort gemacht?” Der Mann antwortete: „Ich war bei ihm heute zu Hause und bin seiner Einladung zum Festmahl gefolgt.” „Was hast du bei ihm gegessen?”, fragte er. Als der Mann acht verschiedene Speisen aufzählte und sagte: „Dies und das habe ich gegessen”, sagte Hasan al- Basrī (r.h.): „O Frevler! Acht verschiedene Arten von Speisen haben in deinem Magen Platz gefunden, aber nicht ein paar Worte. Scher dich  weg!”

Wer es sich zur Gewohnheit macht, über andere zu lästern, der verleumdet auch oft. Allah Taʿālā beschreibt das Ende derer, die Verleumdungen verbreiten, im Jenseits wie folgt: „Wahrlich, diejenigen, die  ehrbaren, ahnungslosen und gläubigen Frauen (Untreue) vorwerfen, sind im Diesseits und im Jenseits verflucht. Für sie wird es eine gewaltige Strafe geben, am Tag, da ihre Zungen, ihre Hände und ihre Füße gegen sie Zeugnis ablegen werden, über das, was sie zu tun pflegten. (An-Nūr, 23-24)