Tawba (Reue) und Tasbih-Gebet
22. März 2024
12. Ramadan 1445Verehrte Muslime!
Unsere Hutbe handelt von der Notwendigkeit der Tawba und des Istighfar, der Reue und der Vergebungsbitte. Unsere Herzen verderben unter dem Einfluss der Sünde, so wie freiliegendes Eisen rostet oder Gegenstände, die lange nicht gereinigt wurden, verstauben. Rostige Herzen sind nicht mehr in der Lage, das Licht (nūr) Allahs zu reflektieren. So beginnen sich die Gedanken zu verschlechtern, der Sinn für spirituellen Geschmack lässt nach und die Begeisterung für die Anbetung beginnt sich aufzulösen. Wenn dies geschieht, entfernt sich der Mensch von seinem Schöpfer und kommt vom rechten Weg ab, indem er seiner Nafs (Ego) und dem Schaytan (Teufel) folgt.
Das Heilmittel für diese geistige Krankheit ist Tawba und Istighfar, also Reue und Vergebungsbitte. Auch wenn Tawba und Istighfar zusammen erwähnt werden, sind sie doch zwei verschiedene Dinge. Tawba bedeutet, die Sünde aufzugeben und zu bereuen das, was man getan hat. Istighfar hingegen bedeutet, Allah um Vergebung zu bitten.
Allah Ta’ala sagt in der Sure at-Tahrim:
„O ihr, die ihr den Iman verinnerlicht habt, kehrt mit aufrichtiger Reue zu Allah zurück. Vielleicht wird euer Herr euch eure bösen Taten vergeben.” (At-Tahrim, 66:8)
Die Korankommentatoren sagten in der Auslegung dieses Ayets: „Reue ist eine individuelle Pflicht (fard ayn) zu jeder Zeit und in jeder Situation.” (al-Qurtubi, at-Tahrim, 66:8)
Ein Muslim sollte nicht die Hoffnung auf Allahs Barmherzigkeit verlieren, wenn er die Vielzahl seiner Sünden betrachtet oder wenn er seinem Ego unterliegt, und immer wieder in die gleiche Sünde zurückfällt. Vielmehr sollte er jedes Mal aufrichtig bereuen und Allah bitten, ihm zu vergeben und ihm zu helfen, nicht wieder rückfällig zu werden. Denn die Barmherzigkeit Allah Ta’alas ist viel größer als die Sünden Seines Dieners.
Nach der Überlieferung von Dschabir ibn Abdillah kam ein Mann zum Gesandten Allahs (s.a.w.) und sagte zwei- oder dreimal seufzend: „Ach meine Sünden!” Unser Prophet (s.a.w.) riet ihm folgendes zu sagen: „O Allah! Deine Vergebung ist größer als meine Sünden. Und Deine Barmherzigkeit ist für mich hoffnungsvoller als meine Taten.” Der Mann sagte dies. Unser Prophet befahl ihm, es einmal und noch ein weiteres Mal zu wiederholen. Dann sagte er: „Steh auf, Allah hat dir vergeben!” (At-Targhib wa t-tarhib, 2/386)
Der folgende Ayet in der Sure al-Baqara erläutert die unendliche Gunst und Barmherzigkeit Allahs gegenüber Seinen Dienern:
„Außer denen, die bereuen, bessern und klarstellen. Diesen wende Ich Mich gnädig zu. Denn Ich bin Der, Der sich gnädig zuwendet und der Barmherzige.” (al-Baqara, 2:160)
Liebe Muslime! Jeder Mensch, mit Ausnahme der Propheten, hat das Potential zu sündigen. Unser Prophet (s.a.w.) sagte: „Jeder Mensch macht Fehler. Die Besten unter denen, die Fehler machen, sind diejenigen, die am meisten bereuen.” (Tirmizi, Qiyama 49 (2499))
In einem anderen edlen Hadith heißt es: „O ihr Menschen, bereut vor Allah und bittet Ihn um Vergebung! Wahrlich, ich bereue hundertmal am Tag.“ (Muslim, Zikr 42) Die einfachste Form der Vergebungsbitte ist „Astaghfirullāh al-azīm wa atūbu ilayk“, was bedeutet: „Ich bitte Allah, den Erhabenen, um Vergebung und wende mich Dir, o Allah, reumütig zu.“ Während man dies sagt, muss man seine Sünden bereuen und entschlossen sein, nicht mehr rückfällig zu werden.
Darüber hinaus gibt es auch eine Vergebungs-bitte in Form des Tasbih-Gebets, die zu einer schnelleren Annahme der Reue und zu einer schnelleren Reinigung von den Sünden führt. Denn Allah, der Erhabene sagt: „Und sucht Hilfe (bei Allah) durch Geduld und (rituelles) Gebet.” (al-Baqara, 2:45)
Rasullullah (s.a.w.) beschrieb seinem Onkel Hazrat Abbas das Tasbih-Gebet, nachdem er gesagt hatte: „Soll ich dir von einer Ibada berichten, wenn du sie verrichtest, so wird Allah Ta’ala deine früheren und späteren, alten und neuen, fahrlässigen und vorsätzlichen, kleinen und großen, geheimen und offensichtlichen Sünden vergeben.” (Bayhaqi, al-Kubra 3/51)
Der beste Zeitpunkt für Reue ist, sie sofort zu tun und sie nicht zu verschieben. Ich möchte meine Hutbe mit der frohen Botschaft unseres Propheten beenden: „Wer seine Sünden bereut, ist so, als hätte er nie gesündigt.”