Gegenseitige Unterstützung in Güte und Frömmigkeit
17. April 2026
Verehrte Muslime!
In unserer heutigen Hutbe geht es um die gegenseitige Unterstützung in Güte und Taqwā, also Gottesfurcht und Frömmigkeit.
Auch wenn der Mensch das intelligenteste aller Geschöpfe ist, ist er nicht in der Lage, alles alleine zu bewältigen und ein Leben in Frieden zu führen. Doch durch gegenseitige Unterstützung können die Menschen die Schwächen des anderen ausgleichen und so Frieden und Glück erlangen. Diese gegenseitige Hilfe muss jedoch auf das Gute ausgerichtet sein.
Unser Prophet (s. a. w.) sagte in einem Hadith Scharīf: „Ein Gläubiger ist für einen Gläubigen wie ein Gebäude, dessen Teile sich gegenseitig stützen.” (al-Buchārī, Salāh, 88)
Der Hauptgrund für die Störung des gesellschaftlichen Friedens liegt in der Solidarität beim Begehen von Bösem. Diesem Umstand kann nur durch eine korrekte Definition von Gut und Böse entgegengewirkt werden. Wenn die Maßstäbe von Person zu Person variieren, stürzt dies die Gesellschaft in ein Chaos. Die Lösung für ein solches Durcheinander liegt im Islam in der Offenbarung. Allah Taʿālā hat uns Menschen durch Seine Propheten mitgeteilt, was gut und was schlecht ist, mit der Absicht, damit wir die göttliche Prüfung bestehen und ins Paradies gelangen.
Allah, der Allmächtige, spricht im heiligen Koran zu uns, Seinen Dienern, wie folgt: „Helft einander in Güte und Gottesfurcht. Und helft einander nicht in Sünde und Übertretung. Und fürchtet Allah! Wahrlich, Allah ist hart im Strafen.“ (al-Māʾida, 5:2)
Dieser edle Koranvers ruft die muslimische Gemeinschaft dazu auf, „sich in guten Taten zu vereinen”. Die Bedeutung des Wortes „birr”, also „Gutes”, wird an anderer Stelle des Korans wie folgt erklärt: „Die Güte besteht nicht darin, dass ihr eure Gesichter gegen Osten oder Westen wendet. Vielmehr besteht Güte darin, dass man an Allah, den Jüngsten Tag, den Engeln, den Büchern und den Propheten glaubt, und vom Besitz, trotz der eigenen Liebe dazu, den Verwandten, den Waisen, den Armen, den Reisenden in Not, den Bittenden und (für den Loskauf von) Sklaven gibt, das Gebet verrichtet und die Zakat entrichtet. Auch (die Taten) derjenigen (gehören dazu), die ihre Verpflichtungen einhalten, wenn sie ihn eingehen, und in (Zeiten der) Not und des Leids sowie in Zeiten der Gewalt standhaft bleiben. Sie sind es, die wahrhaftig sind und sie sind die Gottesfürchtigen.” (al-Baqara, 2:177)
Wie man sieht, gehören zum Begriff des Guten, sowohl innere Akte des Gehorsams wie der Glaube an Allah, Seine Engel, Seine Bücher und Seine Propheten als auch äußere Akte des Gehorsams, wie das Ausgeben des Vermögens für das, was Allah liebt, das Verrichten des Gebets, das Entrichten der Zakat, das Halten von Versprechen und das geduldige Ertragen von Armut und Leid, die durch das Schicksal bedingt sind. Ebenso gehören Güte gegenüber den Geschöpfen Allahs sowie Güte gegenüber den Eltern und Verwandten dazu.
Liebe Muslime! Materielle Hilfe ist wertvoll. Doch wahre Güte liegt darin, Menschen, die vom rechten Weg abgekommen sind, den rechten Weg zu zeigen, und sie zu einem glücklichen Leben in Diesseits und Jenseits zu führen. Da ein derart umfangreicher Dienst nicht alleine bewältigt werden kann, ist die Unterstützung von Organisationen, die sich für die geistige Erneuerung der Menschheit einsetzen, der Gipfel der gegenseitigen Unterstützung im Guten.
Unsere Gelehrten haben das Wort „taqwā“ in der von mir sinngemäß vorgetragenen Ayat, die zur Unterstützung in Güte und in Frömmigkeit aufruft, wie folgt erklärt:
„Taqwā wird im heiligen Koran in drei Stufen unterteilt. Die erste Stufe besteht darin, den Imān zu verinnerlichen und sich von Schirk, also der Vielgötterei, fernzuhalten, um vor ewiger Strafe bewahrt zu werden.
Die zweite besteht darin, sich von großen Sünden und dem Beharren auf kleinen Sünden fernzuhalten und die Pflichten zu erfüllen.
Die dritte Stufe besteht darin, sich von allem abzuwenden, was das Herz beschäftigt und die Wahrheit vergessen lässt, und sich mit seinem ganzen Wesen Allah Taʿālā zuzuwenden.” Diese dritte Stufe ist das, was mit dem folgenden Ayat zum Ausdruck gebracht wird: „O ihr, die ihr glaubt! Fürchtet Allah in gebührender Ehrfurcht!“ (Āl-Imrān, 3:102)”