Die Bewahrung der Augen vor Harām
08. Mai 2026
Verehrte Muslime!
Die Gaben Allahs, des Erhabenen, sind so unermesslich, dass wir kaum in der Lage sind, gebührend dafür zu danken. Wir übersehen die vielen Gaben, die wir bereits erhalten haben, und haben nur jene im Blick, die wir uns wünschen und deren Erfüllung wir uns ersehnen.
Meistens fällt es uns nicht einmal ein, für Gaben wie Hände, Füße, Augen, Ohren, Zunge, Verstand und Intellekt dankbar zu sein, die wir umsonst erhalten haben. Dankbarkeit gegenüber den Gaben äußert sich je nach Art der Gabe unterschiedlich. Dankbarkeit, also Schukr, äußert sich darin, dass man etwas im Sinne von Allahs Wohlgefallen nutzt. Etwas entgegen Seinem Wohlgefallen zu nutzen, wäre ein Zeichen von Undankbarkeit.
In unserer heutigen Hutbe werden wir über Möglichkeiten sprechen, wie wir unsere Dankbarkeit für das Geschenk der Augen erweisen können, nämlich indem wir sie davor bewahren, auf Verbotenes zu schauen.
Allah Taʿālā hat den Menschen, das edelste aller Geschöpfe, als Wesen mit zwei unterschiedlichen Geschlechtern, als Mann und Frau – erschaffen, wie alle anderen Lebewesen auch. Sein Wille war, dass sie durch rechtmäßige Ehen Familien gründen, um eine Vermischung und Verderbnis der Generationen zu verhindern. Daher verbot Er die Zinā, also die Unzucht. Sie ist eine schwere Sünde. Er hat auch die Ursachen für diese große, die Herzen verdunkelnde Sünde verboten, damit sie gemieden werden. Das Betrachten verbotener Dinge ist eine dieser Ursachen.
In der Sure an-Nūr sagt Allah Taʿālā: „Sprich zu den gläubigen Männern, sie sollen ihre Blicke (vor unerlaubten Dingen) senken und ihre Keuschheit bewahren. Das ist reiner für sie. Wahrlich, Allah ist wohl kundig dessen, was sie tun. Und sprich zu den gläubigen Frauen, sie sollen ihre Blicke (vor unerlaubten Dingen) senken und ihre Keuschheit bewahren ...” (an-Nūr, 24:30-31)
Es ist wichtig, auf die Körperöffnungen zu achten und sie sauber zu halten, da Erreger durch sie in den Körper eindringen und Krankheiten verursachen können. Ebenso wichtig ist es, die Einfallstore für Sünden, die geistige Krankheiten verursachen können, sorgfältig zu reinigen. Die Augen vor verbotenen Dingen zu schützen, gilt als spirituelle Reinigung.
Unser Prophet (s.a.w) sagte: „Der Blick (auf Verbotenes) ist ein giftiger Pfeil unter den Pfeilen des Teufels. Wer ihn aus Furcht vor Allah unterlässt, dem verleiht Allah einen Imān, dessen süßen Geschmack er in seinem Herzen spüren wird.” (At-Tabarānī, al-Muʿdscham al-kabīr, 10363)
Dabei geht es nicht um den versehentlichen Blick. Das absichtliche Betrachten eines Harāms ist verboten. Denn das absichtliche Anschauen erweckt Begierde, und Begierde verleitet zur Unzucht. Unser Prophet (s.a.w.) sagte zu Ali (r.a.): „Lass einem Blick nicht einen weiteren Blick folgen. Denn der erste Blick ist zu deinen Gunsten und der zweite wird zu deinem Nachteil sein.” (Abu Dawud, 2149)
Liebe Muslime!
Heutzutage sind Umstände, die zur Sünde verleiten, zur Normalität geworden. Daher müssen wir einerseits gegen unser Ego ankämpfen, um nicht zu sündigen, und andererseits durch Gebete um Vergebung und Zuflucht bei Allah Taʿālā bitten.
Hazrat Ebu’l-Faruk Silistrevi hat diesen Punkt in seinen Predigten immer wieder erwähnt und eindringlich geraten: „Wenn ihr eure Häuser verlasst, vergesst nicht - ich bitte sehr darum! Sprecht „Lā ilāha illallāhu waḥdahū lā scharīka lah. Lahu l-mulku wa lahu l-hamdu yuḥyī wa yumīt. Wa huwa ḥayyun lā yamūt. Biyadihi l-ḫayr. Wa huwa alā kulli schayʾin qadīr.” Wer dies spricht, für den gibt es eine Million Belohnungen und eine Million Vergebung der Sünden. Alle Hadithgelehrten waren verblüfft und erstaunt darüber, warum der Gesandte Allahs (s.a.w.) dies so formulierte. Schließlich kamen sie zu dem Schluss: Wenn die Menschen ihre Häuser verlassen, geraten sie auf den Straßen und Märkten in sehr unangenehme Situationen und fallen in Sünde. Durch dieses Bittgebet wird Allah ihnen alle Sünden vergeben, die sie bis zum Abend begangen haben - als Ausdruck der großen Fürsprache (schafaʿat ʿaẓīma). Meine Herren, lernt es auswendig und lehrt es eure Kinder.”