Die Weisheiten des Opferrituals
22. Mai 2026
Verehrte Muslime!
Unsere heutige Hutbe befasst sich mit den Weisheiten des Opferrituals.
Alles im Universum wurde zu einem bestimmten Zweck erschaffen. So wurde der Mensch erschaffen, um Allah Taʿālā zu dienen, während die anderen Lebewesen dazu bestimmt sind, der Menschheit direkt oder indirekt zu dienen. Jedes Geschöpf entsprechend seinem zugedachten Zweck und im Einklang mit dem göttlichen Willen zu gebrauchen, ist ein Akt der Gerechtigkeit. Das Gegenteil davon ist Unrecht.
Auch der Schöpfungszweck der Tiere, deren Fleisch und Milch von Menschen verzehrt werden, besteht darin, dem Menschen zu dienen. Allah Taʿālā erklärt diese Tatsache im edlen Koran wie folgt: „Haben sie denn nicht gesehen, dass Wir für sie unter dem, was Wir mit Unseren Händen gemacht haben, Vieh (wie Kamele, Rinder und Schafe) erschaffen haben, über das sie verfügen? Und Wir haben sie ihnen fügsam gemacht, sodass einige von ihnen für sie als Reittiere (dienen) und sie einige davon essen (können). Und sie haben an ihnen (allerlei) Nutzen und Trank. Wollen sie denn nicht dankbar sein?” (Yāsīn, 36:71-73)
Das Schlachten dieser Tiere zum Zweck der Fleischgewinnung ist erlaubt. Das Schlachten mit der Absicht, ein Qurbān, also ein Opfer darzubringen, ist hingegen eine Ibāda.
„Qurbān” oder auch „Udhiyya” bezeichnet Tiere, die mit der Absicht geschlachtet werden, sich Allah zu nähern. Dieses Ritual wird seit Ādam (a.s.) durchgeführt.
Der Qurbān dient als eine Prüfung für die Menschheit. Die Geschichte des ersten Opfers in der Menschheitsgeschichte wird im heiligen Koran wie folgt erzählt: „(O Mein Gesandter!) Verlies ihnen die Geschichte der beiden Söhne Ādams, der Wahrheit entsprechend, als sie ein Opfer darbrachten (Hābīl einen Widder und Qābīl Feldfrüchte). Da wurde es von dem einen von ihnen (von Hābīl) angenommen, (indem es von einem vom Himmel herabsteigenden Feuer verzehrt wurde), während es vom anderen nicht angenommen wurde. Er (Qābīl, dessen Opfer nicht angenommen wurde, war eifersüchtig und) sagte: ‘Ich werde dich ganz gewiss töten.’ Der (andere, Hābīl) sagte: ‘Allah nimmt (das Opfer) nur von den Gottesfürchtigen an, (die seinem Befehl gehorchen und Ungehorsam vermeiden).’” (al-Mā’ida, 5:27)
Später wurde Ibrāhīm (a.s.) vor die Prüfung gestellt, seinen Sohn zu opfern. Da es jedoch nicht Allahs Wille war, dass Ismāʿīl (a.s.) geopfert werde, sandte Er ihm an seiner Stelle einen Widder als Opfertier. Dieses Ereignis wird in der Sure as-Sāffāt ausführlich geschildert.
Auch unserem Propheten (s.a.w.) wurde das Opfern von Allah Taʿālā mit den folgenden Worten befohlen: „So bete zu deinem Herrn und opfere!” (Al-Kawthar, 108:2)
Der Qurbān dient als Sühne für Sünden. An einem Opferfest sagte unser Prophet (s.a.w.) zu unserer Mutter, Hazrat Fātima,: „(O Fātima!) Geh zu deinem Opfertier und sieh zu (wie es geschlachtet wird). Denn mit dem allerersten Tropfen seines Blutes wird dir jede (kleine) Sünde, die du begangen hast, vergeben.” (Adh-Dhahabī, al-Muhaddhab, 8/3869)
Der Qurbān ist ein Symbol für die Aufrichtigkeit und Hingabe von Ibrāhīm (a.s.) und seinem Sohn Ismāʿīl (a.s.). Auf Geheiß Allahs unterzog sich Ibrāhīm (a.s.) der göttlichen Prüfung und legte seinen geliebtesten Sohn ohne zu zögern unter das Messer. Ismāʿīl (a.s.) zeigte sich dabei bereitwillig, sein Leben für Allah zu opfern.
Daher sollte ein Muslim beim Opfern seine Absicht wie folgt formulieren: „O mein Herr! Dieser mein Körper hat so viele Fehler begangen und so oft gegen Dich rebelliert, dass ich Dir diesen Körper opfern müsste, damit Du mir vergibst. Da Du Menschenopfer aber verboten hast, opfere ich dieses Tier anstelle meines Körpers. Nimm es an.”
Einige Freunde Allahs haben die Weisheit des Qurbāns wie folgt erklärt: „Durch das Opfern wird der göttliche Zorn besänftigt. Es zieht das Wohlgefallen Allahs an. Ein Land, in dem viele Opfer dargebracht werden, wird vom Krieg verschont. Beim Opfern gibt es ein allgemeines Interesse und einen absoluten Nutzen für Familie, Kinder und Bedürftige. Im Opferfest manifestiert sich die allumfassende göttliche Vergebung.”
Gesegnet sind diejenigen, die den Geboten Allahs folgen und Weisheit erlangen!