Die Mīradsch-Nacht

09. Januar 2026

Verehrte Muslime!

In der 27.  Nacht des gegenwärtigen Monats Radschab begehen wir die Mīradsch-Nacht, die nächtliche Himmelsreise unseres Propheten. Sie fällt auf die Nacht von Donnerstag, dem 26. Januar, auf Freitag, den 27. Januar.  Aus diesem Anlass ist das Thema unserer heutigen Hutbe das Wunder von Mīradsch.

Mīradsch bedeutet wörtlich „Leiter“. In der islamischen Terminologie bezeichnet es das besondere Ereignis, bei dem unser Prophet (s.a.w.) in einem sehr kurzen Zeitabschnitt nachts von der Haram asch-Scharīf, also von der Kaaba, zum Masdschid al-Aqsā in Jerusalem gebracht wurde. Von dort aus durchquerte er die sieben Himmel, bis er den äußersten Sidr-Baum, den Sidrat al-Muntahā, erreichte. Dann wurde er von Angesicht zu Angesicht mit der Gegenwart Allahs, fern von Zeit und Raum, beehrt und wieder zurückgebracht.

Das Mīradsch-Ereignis ist eines der großen Wunder unseres Propheten.  In der Ayāt, die ich zu Beginn meiner Hutbe rezitiert habe, erklärt Allah der Allmächtige es wie folgt:            „Preis sei Dem, Der Seinen Diener (Muhammed) nachts von der Masdschid al-Harām (der heiligen Gebetsstätte) zu der Masdschid al-Aqsā (der äußersten Gebetsstätte), deren Umgebung Wir gesegnet haben, reisen ließ, auf dass Wir ihm von Unseren Zeichen zeigen. Gewiss, Er ist der Allhörende, der Allsehende.“ (Sure Isra, 17:1)

Liebe Muslime! Der Mīradsch fand  eineinhalb Jahre vor der Hidschra in der 27. Nacht des Radschab statt. In der ersten Phase der Reise wurde unser Prophet (s.a.w.) auf einem Reittier namens Burāq von der Masdschid al-Harām zur Masdschid al-Aqsā gebracht. Im zweiten Abschnitt wurde er mit dem Mīradsch, vergleichbar mit einem Aufzug, von der Masdschid al-Aqsā nach Sidrat al-Muntahā am Ende des Arshu-l-aʿlā (des höchsten Throns), gebracht. Von dort aus wurde er mit einem Transportmittel namens Rafraf in die Gegenwart Allahs, des Erhabenen, gehoben.

In der Gegenwart Allahs, des Erhabenen, pries er Ihn wie folgt: „Attahiyyātu lillāhi wassalawātu wattayyibāt”, was so viel bedeutet wie „Alle gottesdienstlichen Handlungen, seien sie mit der Zunge, mit dem Körper oder mit materiellen Dingen erbracht, gebühren Allah.” Allah Taʿālā erwiderte: „Assalāmu alayka ayyuhannabiyyu wa rahmatullāhi wa barakātuh.”,O mein Gesandter, möge Allahs Salām, Seine Barmherzigkeit und Sein Segen auf dir sein. Darauf entgegnete unser Prophet (s.a.w.): „Assalāmu alaynā wa alā ibādillāhis-sālihīn”, „Der Friede sei mit uns und den rechtschaffenen Dienern Allahs”. Damit schloss er sowohl die anderen Propheten als auch seine Umma in den Friedensgruß mit ein.

Ursprünglich waren in der Mīradsch-Nacht fünfzig tägliche Gebete als Geschenk für die Umma unseres Propheten vorgesehen. Auf wiederholte Bitten des Gesandten Allahs wurden sie auf fünf reduziert. Abdullāh ibn Masʿūd (r.a.) sagte: „(In der Mīradsch-Nacht) wurden dem Gesandten Allahs (s.a.w.) drei Dinge verliehen: Das fünfmal tägliche Gebet, die letzten beiden Āyats der Sure al-Baqara (Āmanarrasūlu...), und (die frohe Botschaft), dass die großen Sünden derjenigen seiner Umma vergeben werden, die Allah keine Partner zur Seite stellen. (Muslim, Iman, 173)

Auf seiner Reise traf unser Prophet (s.a.w.) in jedem Himmel einen Propheten. Auf der Rückreise sah er das Paradies mit all seinen Stufen und die Hölle mit all ihren Abstufungen. Am Morgen dieser Nacht ging er in die Moschee und berichtete den Quraisch alles über den Mīradsch. Die Polytheisten verleugneten ihn, und einige schwachgläubige Muslime wandten sich vom Islam ab. Abū Bakr (r.a.) jedoch bestätigte ihn ohne zu zögern, als er davon erfuhr. Deshalb wurde er Siddīq, der Wahrhaftige, genannt.

Liebe Muslime!

Wir sollten uns bemühen, diese Nacht so weit wie möglich mit Ibādāt zu verbringen. In unseren Kalendern ist nachzulesen, wie das Hādschat-Gebet mit zwölf Rakats nach dem Ischā-Gebet in der Mīradsch-Nacht sowie das Nāfila-Gebet mit vier Rakats zwischen dem Mittags- und dem Nachmittagsgebet am Tag verrichtet werden. Darüber hinaus sollte  man am Mīradsch-Tag fasten. Am Dienstag, dem 20. Januar, beginnt der gesegnete Monat Schabān, der zweite der drei gesegneten Monate. Während wir die Mīradsch-Nacht feierlich begehen, sollten wir die Vorbereitungen für den gesegneten Schabān nicht vernachlässigen.