Die Begehung der Winternächte
02. November 2026
Verehrte Muslime!In unserer heutigen Hutbe geht es um die Begehung der Wintertage und -nächte mit Ibādāt.
Das Lebenskapital, das den Menschen geschenkt wurde, birgt das Potenzial, sowohl die Tore des Paradieses zu öffnen als auch die Wege in die Hölle zu ebnen. Jede Gelegenheit und jede Chance, die uns unser Herr bietet, kann sowohl zum Guten als auch zum Bösen verwendet werden. Mit seinem eigenen Willen bestimmt der Mensch, in welche Richtung diese Möglichkeiten führen sollen und erreicht so entweder den Gipfel des Guten oder des Bösen.
Allah Taʿālā sagt in der Sure al-Layl: „Bei der Nacht, wenn sie (mit ihrer Dunkelheit alles) verhüllt und dem Tag, wenn er (in seiner Helligkeit) erscheint und Dem, Der das Männliche und das Weibliche erschaffen hat!“
Allah, der Allmächtige, schwört auf die tiefen Geheimnisse der Nacht und des Tages und ruft uns dazu auf, Lehren aus dieser göttlichen Ordnung zu ziehen und auf die beste Weise davon zu profitieren.
Vergesst nicht! Wer die Dunkelheit der Nacht als Deckmantel für seine Sünden missbraucht, dessen Seele und dessen Grab sind zur Finsternis verdammt. Wer seine Nächte hingegen mit dem Licht der Anbetung belebt und erhellt, dessen Gesicht wird strahlen, dessen Herz wird Frieden finden und dessen Grab wird mit Licht erfüllt sein.
Die begrenzten Atemzüge, die wir „Leben“ nennen, sind ein kostbares Kapital, das uns anvertraut wurde, um die ewige Heimat im Jenseits zu erlangen. Ob wir dieses Kapital durch Iman und amal salih, also durch Glauben und rechtschaffene Taten, segensreich mehren und verewigen oder es im Sumpf der Auflehnung vergeuden und so in den ewigen Ruin stürzen, liegt allein in unserer Hand und unserem freien Willen.
In einem Hadith Scharīf heißt es: „Am Tag der Auferstehung werden die Füße des Dieners nicht von der Stelle weichen, bis er über vier Dinge befragt wird: Wo er sein Leben verbracht hat, wie er seinen Körper genutzt hat, was er mit seinem Wissen gemacht hat und wie er seinen Besitz verdient und wofür er ihn ausgegeben hat.” (At-Tirmidhī, Qiyāma, 1 (2417))
Zeit, die mit Ibādāt verbracht wird, ist eine erfüllte, also eine sinnvoll genutzte Zeit. Freie Zeiten, insbesondere die langen Winternächte, bieten die beste Gelegenheit dazu. Deshalb sagte unser Prophet (s.a.w.): „Der Winter ist der Frühling des Gläubigen. Seine Nächte sind lang, sodass er sie (mit Gebeten) begehen kann. Seine Tage sind kurz, sodass er in ihnen fasten kann.” (Al-Bayhaqī, Sunan, 8456) Mit diesen Worten wies er darauf hin, wie Wintertage und -nächte sinnvoll genutzt werden können.
Wenn es um die Begehung der Winternächte geht, denkt man zuerst an das Tahaddschud-Gebet. Im heiligen Koran wird unser Prophet (s.a.w.) wie folgt angesprochen: „Und in einem Teil der Nacht verrichte damit (mit dem Koran) das Tahaddschud-Gebet als ein freiwilliges Gebet für dich. Möge dein Herr dir damit eine lobenswerte Stellung (maqām mahmūd) verleihen.” (Sure al-Isra, 17:79)
Nāfila-Gebete, die nach dem Ischā-Gebet verrichtet werden – entweder noch vor dem Schlafengehen oder nach einer Schlafpause - nennt man salāt al-layl, also Nachtgebete. Das Tahaddschud-Gebet wird nach einer Schlafpause verrichtet. Der göttliche Lohn dafür ist enorm. Rasūllullāh (s.a.w.) pflegte stets das Tahaddschud-Gebet zu verrichten. Dieses Nachtgebet kann mit zwei bis acht Rakats verrichtet werden, wobei jeweils nach zwei Rakats der Gebetsgruß gesprochen wird. Empfohlen werden sechs Rakats.
In einem Hadith Scharīf heißt es: „Wer in der Nacht aufwacht, seine Frau weckt und beide zwei Rakats Gebet verrichten, der wird mit ihr unter den Männern und Frauen registriert werden, die Allah Taʿālā viel gedenken.” (Abū Dāwūd, Salāt, 1451)
Zusätzlich zum Tahaddschud-Gebet sollte man sich bemühen, die Nächte mit gottesdienstlichen Handlungen wie dem Tasbīh-Gebet, dem Gedenken an Allah, der Rezitation des Korans und Bittgebeten zu beleben. Die beste Zeit hierfür ist der letzte Zeitabschnitt vor der Morgendämmerung, der als waqt as-sahar bezeichnet wird. Denn Allah Taʿālā lobt die Gläubigen mit den Worten: „Sie pflegten in der Nacht nur ein wenig zu schlafen und vor der Morgendämmerung baten sie um Vergebung.“ (Sure 51:17-18)
In einem von Dschābir (r.a.) überlieferten Hadith sagte der Gesandte Allahs (s.a.w.): „Wahrlich, in der Nacht gibt es einen Zeitpunkt. Wenn ein Muslim ihn trifft und von Allah Gutes von den Dingen des Diesseits und des Jenseits erbittet, so wird Allah es ihm gewähren. Und so ist es jede Nacht.“ (Muslim, Musāfirīn 166)
Es ist sehr wahrscheinlich, dass dieser Zeitpunkt im Zeitraum kurz vor der Morgendämmerung, also in der Sahar-Zeit liegt. Die Gelehrten erklärten, dass die Sahar-Zeit das letzte Sechstel der Nacht (vor der Morgendämmerung) ausmacht. (Rūh al-bayān, az-Zāriyāt, 51:18)
Allah, der Erhabene, hat diese heilige Reise mit dem Vers „Und Allah steht es den Menschen gegenüber zu, dass sie die Pilgerfahrt zum Haus unternehmen, wer dazu einen Weg finden kann…“ (Āl ʿImrān, 97) zur Pflicht gemacht. Die Anmeldungen für die Hadsch 2027 haben nun begonnen.
Die Voranmeldung, der erste Schritt dieser Reise, erfolgt über die Plattform Nusuk Hajj. Ihr könnt euch dabei sicher und unkompliziert über Hisar Europe anmelden. Jeder, der mit der Absicht zum Hadsch aufbricht, wird Gast seines Herrn. Diese gesegnete Absicht ist nicht nur eine Reise, sondern eine Erziehung des Herzens, des Egos und der Seele. Der Hadsch ist eine Begegnung, bei der die Herzen gereinigt, die Bittgebete angenommen und die Ummah vereint wird.
Aus diesem Anlass laden wir alle Geschwister, die die Pflicht des Hadsch erfüllen möchten, dazu ein, den ersten Schritt dieser spirituellen Reise zu gehen und ihre Absicht zu erneuern.