Der Hadsch
12. Mai 2023
22. Schawwal 1444Verehrte Muslime!
In unserer Hutbe geht es um die Bedeutung des Hadsch. Einer der fünf Säulen des Islams ist der Hadsch. Wörtlich bedeutet dieser Begriff beabsichtigen, aufsuchen. In der islamisch-rechtlichen Terminologie wird er folgendermaßen definiert: „Es besteht darin, die Ka’ba Muazzama zu bestimmten Zeiten (also während der Hadsch-Monate) aufzusuchen, in der Absicht Allah Te’ala zu dienen, die Tawaf um sie herum zu vollziehen, zwischen Safa und Marwa den Sa’y (den Lauf) durchzuführen und sich auf Arafat aufzuhalten.“
Damit der Hadsch für eine Person Pflicht ist, gibt es einige Bedingungen wie zum Beispiel Muslim zu sein, religös-mündig, zurechnungsfähig und frei zu sein und ausreichend Zeit für den strapazenfreien Vollzug der Hadsch zu haben. Muslime, die außerhalb islamischer Staaten leben, müssen zudem Kenntnis von der Pflicht der Hadsch haben.
Darüber hinaus ist die Hadsch für jeden verpflichtend, der über die Grundbedürfnisse hinaus genügend Geld hat, um sich und seine Familie während der Hadsch-Monate bis zu seiner Rückkehr üblich versorgen zu können. Sämtliche Reisekosten, Transport und Verpflegung sind darin eingeschlossen.
Der Hadsch ist nur einmal im Leben Pflicht. Personen, für die die Hadsch zur Pflicht geworden ist und die diese Aufgabe nicht erfüllt haben, müssen vor ihrem Tod testamentarisch darüber verfügen, dass jemand an ihrer Stelle die Hadsch vollzieht.
Allah Te’ala spricht in der Sure Ali-Imran, 3:97, wie folgt: „Darin (in der Ka’ba) sind deutliche Zeichen, (eins davon ist) der Standort Ibrahims. Und wer es betritt, ist in Sicherheit. Und den Menschen ist Allah gegenüber auferlegt, zum Hause (Allahs) zu pilgern, wenn sie dazu (finanziell und gesundheitlich) in der Lage sind. Wer aber (diese Pflicht) leugnet, so ist gewiß Allah auf die Weltenbewohner nicht angewiesen.” Er braucht ihre Ibadat nicht. Denn seine Schatzkämmer sind voller Ibadat. Der Verdienst des Imans und der Ibadat kehren zu den Dienern zurück.
Im Gegensatz zu anderen gottesdienstlichen Handlungen, gibt es beim Hadsch unzählige Schönheiten und Weisheiten. Eine davon ist die Läuterung von Sünden und so die Rückkehr zu der natürlichen Veranlagung wie bei der ersten Schöpfung. Dies wird in einem Hadis Scherif folgendermaßen erklärt: „Wer den Hadsch für Allah vollzieht und weder schlechtredet und noch sündigt, der kehrt (ohne Sünden nach Hause) zurück wie an dem Tag, an dem er von seiner Mutter geboren wurde.” (Buchari, 1521)
„Die Berührung des „Schwarzen Steins” (hadscher al aswad) und der jemenitischen Ecke (der Ka’ba) (rukn al-yamani) ist Sühne für die (begangenen) Fehler.” (Tirmizi, Hadsch, 111)
Eine weitere Besonderheit der heiligen Stätten ist, dass es viele Orte gibt, in denen die Bittgebete erhört werden. In verschiedenen Hadis Scherifs wird berichtet, dass die Gebete rund um die Ka’ba wie Mültezem, Hatim, Rukn al-Yamani, gegenüber der goldenen Rinne, bei Arafat, bei Muzdalifa und anderen gesegneten Orten erhört werden. Eine außergewönhliche Schönheit des Hadsch, ist der Besuch des Propheten, des Stolzes aller Welten, an seiner Ruhestätte und die Bitte um seine Fürsprache.
Rasulullah (s.a.w.) sagte in verschiedenen Hadis Scherifs dazu Folgendes: „Wer auch immer mein Grab besucht, dem steht meine Schafa’a, meine Fürsprache, zu.” (Daraqutni, Sunan, II, 194)
„Wer nach meinem Tod den Hadsch vollzieht und mein Grab besucht, ist wie einer, der mich zu meinen Lebzeiten besucht hat.” (Bayhaqi, 10274)
„Wer auch immer mich nur um des Besuchens willen, ohne irgendeinen anderen Grund besucht, für den verpflichte ich mich, meine Fürsprache im Jenseits einzulegen.” (Tabarani, Awsat, 4546)
Wir sollten uns vergegenwärtigen, dass wir nicht nur körperlich sondern auch seelisch den Hadsch vollziehen. Dazu gehört es sich spirituell vorzubereiten.