Pressemitteilungen

Sowohl veraltete als auch bodenlose Behauptungen werden wieder aufgekocht!

11. April 2008

Stellungnahme des Verbandes der Islamischen Kulturzentren e.V. zu den Artikeln „Islam-Verein unter Verdacht“ und „Antiwestlich, antidemokratisch“ vom 11.04.2008 des Kölner Stadt-Anzeigers


Dieser Artikel konterkariert die über dreißig jährigen Integrationsbemühungen des Verbandes der Islamischen Kulturzentren (VIKZ).

Dieser Artikel passt sehr gut in ein Klima, in dem es en vogue ist, eine Religion mit seinen Anhängern unter Generalverdacht zu stellen und ist zugleich eine Rufmordkampagne gegen den VIKZ. Sowohl der Inhalt als auch die Form der Darstellung sind auf Polarisierung und Ausgrenzung des VIKZ ausgerichtet.

Der VIKZ distanziert sich in aller Deutlichkeit von den Verleumdungen und weist alle Vorwürfe mit Entschiedenheit zurück.

Diese Diffamierungen, die von bestimmten Kreisen in Umlauf gebracht worden sind, sind nicht neu und bestehen seit 2004. Der VIKZ hat bereits auf diese haltlosen Behauptungen von vermeintlichen Islamexperten umfangreich Stellung bezogen. Laut Auskunft des Kölner Kriminalinspektionsleiters Rüenaufer waren die Ausführungen der Professorin aus Marburg Grundlage des im Artikel erwähnten Dossiers. Von ihr stammen laut Rüenaufer auch die Formulierungen „antiwestlich, antidemokratisch und antijüdisch“ und nicht wie im Artikel dargestellt von der Polizei.

Insbesondere bezüglich der Zitate von Zeitungen aus dem Jahre 2005 ist zusätzlich anzumerken, dass gegen die Urheber der Nachrichten presserechtlich erfolgreich vorgegangen worden ist, so dass sämtliche Beschuldigungen revidiert worden sind.

Das sog. Dossier des Polizeipräsidiums Köln, von dessen Existenz der VIKZ mit dem heutigen Presseartikel im Kölner Stadtanzeiger zum ersten Mal Kenntnis erlangt hat, stammt aus dem Jahre 2006. Darin werden dem Verband gravierende Verfehlungen unterstellt. Mittlerweile liegt der Bericht zwei Jahre zurück und bis zum heutigen Tage hat es keinerlei Auswirkungen auf die Zusammenarbeit der Ministerien, Behörden und anderen Institutionen mit dem VIKZ, obwohl diese bereits 2006 von diesem Dossier Kenntnis hatten. Dieser Umstand zeigt, dass der Inhalt des Dossiers keine relevanten Anhaltspunkte in Bezug auf den VIKZ geliefert hat, so dass das Verkaufen dieses Berichtes als neue Sensation auch keine neuen Erkenntnisse bringt.

Anlässlich des heutigen Presseartikels hat der VIKZ bei den zuständigen Behörden und Ansprechpartnern erneut nachgefragt und um Stellungnahme gebeten.

Der zuständige Leiter der Abteilung im Landesjugendamt Herr Stoppel bekräftigte noch einmal die Aussage des Direktors Herrn Mertens, dass nichts rechtlich Verwertbares in dem Bericht enthalten sei und sagte: „Der zitierte Bericht ist uns seit Januar 2006 bekannt und liefert in keinem Punkt einen konkreten Anhaltspunkt für irgendwelche Maßnahmen bezüglich unserer Zusammenarbeit. Bei dem Bericht handelt es sich um Bewertungen ohne jegliche Fakten, die wir hätten längst verwerten müssen, wenn sie relevant gewesen wären.“

Herr Freier vom Innenministerium NRW hat bestätigt, dass der VIKZ zu keiner Zeit Beobachtungsobjekt gewesen ist. Auch im aktuellsten Verfassungsschutzbericht, der gerade vor zwei Wochen veröffentlicht wurde, ist der VIKZ – wie bisher – nicht aufgeführt.

Prüfungsgegenstand des Verfassungsschutzes sind u. a. die Punkte „antiwestlich, antichristlich, antisemitisch und antidemokratisch“, so dass das Nichtaufführen des VIKZ im Verfassungsschutzbericht impliziert, dass diese Eigenschaften dem VIKZ nicht anzulasten sind.

Der VIKZ bekräftigt noch einmal in aller Deutlichkeit sein Bekenntnis zur deutschen Verfassung und zu der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Nach seinem Selbstverständnis sind die Beachtung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung Deutschlands, die Achtung des Gedankens der Partizipation Minderjähriger und die Förderung der gesellschaftlichen Integration maßgebende Grundlage für seine Arbeit. Die körperliche und geistige Unversehrtheit von Kindern und Jugendlichen ist elementarer Bestandteil seiner Jugendarbeit.

Daher gab es auch zu keiner Zeit auf der einzigen Interseite des Verbandes (www.vikz.de) die Behauptung: „Bringt euren Kindern das Ritualgebet bei. Wenn sie zehn Jahre alt werden und immer noch nicht beten, so sollt ihr sie schlagen, damit sie es tun.“ Wer das Gegenteilige behauptet ist uns den Beweis schuldig.

Der Vorwurf, dass der Heilige Krieg und Märtyrertum in den Predigten verherrlicht werde, entbehrt jedweder Grundlage. Nach dem religiösen Verständnis des VIKZ gibt es keinen Heiligen Krieg. Dschihad versteht der Verband als gewaltfreie Bemühung für die Religion.

Der VIKZ verweist in Bezug auf die Jugendarbeit auf seine über dreißig jährige Praxis hin. Kein junger Mensch, der in irgendeiner Form die Jugendarbeit des VIKZ genossen hat, kann mit Gewalt, Antisemitismus oder antiwestlicher Haltung in Verbindung gebracht werden. Vielmehr sind diese Menschen integriert und stehen in der Mitte der deutschen Gesellschaft.

Der VIKZ ist ein wichtiger Akteur im Bereich der Integration. Er ist auf lokaler, regionaler und überregionaler Ebene durch verschiedenste Maßnahmen und Kooperationen mit allen Gruppierungen der Gesellschaft im Dialog. Er engagiert sich für ein tolerantes, friedliches und respektvolles Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Nationalitäten, Religionen und Hautfarbe, sei es Juden, Christen oder Andersgläubige.

Bereits jetzt gibt es zahlreiche Internetauftritte, die durch den Artikel des Kölner Stadtanzeigers die Islamfeindlichkeit hierzulande schüren und Muslime des Landes verwiesen haben wollen.

Der VIKZ ist sich seiner Verantwortung im Hinblick auf die Integration der Muslime in die hiesige Gesellschaft bewusst. In diesem Zusammenhang verweist der VIKZ auf die besondere Verantwortung der Medien und Politik und fordert insgesamt zur Versachlichung der Debatte über die Belange und Bedürfnisse der Muslime auf.

Mehmet Yilmaz

Präsident