Frankenthaler Zeitung, 27.01.1998 |
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Islam und Christentum vereintBeim gemeinsamen Essen und Gespräch Annäherung praktiziertAls Urlauber haben schon viele Deutsche überwiegend islamische Länder kennengelernt. Das Fremdartige fasziniert und meistens natürlich das relativ sichere schöne Wetter. Wohl die wenigstens befassen sich mit der jeweiligen Kultur und dem religiösen Hintergrund. Gelegenheit, ein bißchen mehr über die islamischen Mitbürger, die in Deutschland leben, zu erfahren, bietet das Islamische Kulturzentrum Frankenthal von Zeit zu Zeit. Anläßlich eines gemeinsamen Essens hatte auch die RHEINPFALZ jetzt die Gelegenheit, ein bißchen hineinzuschnuppern. |
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Mit gespannter Vorfreude suche ich das Kulturzentrum in der Schmiedgasse 39 auf Mehrere Besucher kommen gleichzeitig, werden wie alte Freunde herzlich begrüßt. Im Flur stehen Pantoffeln für alle bereit, die Räumlichkeiten dürfen mit Straßenschuhen nicht betreten Werden. Der Tisch ist bereits festlich gedeckt. Sobald die geladenen Gäste, mehrere Vertreter der Stadtverwaltung, darunter Beigeordneter Günther Lätsch, Polizeibeamte und Pfarrer Martin Henninger, sich gemütlich neben den Mitgliedern des Islamischen Kulturzentrums aus Frankenthal, Mannheim und von der Hauptstelle Köln gesetzt haben, wird locker geplaudert. Sabri Baskaya, der die Einladung schickte, bittet um ein wenig Geduld, da zunächst gebetet wird. Alle Anwesenden dürfen in den Gebetsraum folgen und der Imam beginnt, unbeirrt durch die Andersgläubigen, mit dem Gebet. Ergriffenheit macht sich bemerkbar, auch wenn die fremde Sprache nicht verstanden wird. Schnell ist die Zeit vergangen und das reichhaltige Essen ruft. Gerade ist der letzte Tag des Fastenmonats Ramadan. Wie man es denn aushält ohne Essen und Trinken bis Sonnenuntergang und ob es auch Ausnahmen gibt wird gefragt. Kranke und Schwangere sind vom Fasten befreit heißt es, aber nicht die körperliche, sondern die mentale Erfahrung stehe im Vordergrund, so erklärt Mustafa Imal vom Kölner Zentrum den Sinn des Ramadan. Geduldig beantwortet er jede Frage, ob es um Probleme Jugendlicher, die in Deutschland leben aber trotzdem die eigene Kultur bewahren möchten, geht, oder um Begräbnisse der islamischen Landsleute. Nebenbei wird ein tolles Menü serviert, von der Nudelsuppe über einen kräftig gewürzten Güvec (Zucchini-Fleischtopf) und Hähnchen mit Pilav (Reis) sowie Baklava (honiggesüßte Naschereien), Joghurt und frisches Obst. Zum Abschluß gibt es starken Tee und als Dankeschön ein Tischgebet des Imam. Die Bitte, auch ein christliches Gebet zu sprechen, erfüllt Pfarrer Henninger gern. Gegenseitiger Respekt wird deutlich und ich fühle mich fast beschämt ob der großzügigen Haltung der Gastgeber, von deren Kultur wir doch recht wenig wissen, obwohl seit über 200 Jahren Muslime hier leben. Nicht die Gegensätze suchen, sondern den kleinsten gemeinsamen Nenner, das sei das Ziel dieser Begegnungen, meint Mustafa Imal. Dies ist beim gemeinsamen Mahl gelungen. Aufeinanderzugehen ist dem Verband der islamischen Kulturzentren und dessen Gemeinden wichtig, wurde erläutert. Daher finden regelmäßig an allen Standorten ähnliche Treffen statt. In Frankenthal hat das Zentrum, etwa 70 Mitglieder, zur Gemeinde gehören 300 Mitbürger. Die islamischen Kulturzentren haben generell go bis 95 Prozent türkische Mitglieder, sind aber offen für andere Nationalitäten. Stolz ist man auf das sechsstöckige Kulturzentrum in Mannheim, das fast fertiggestellt sei. Schulungsräume und Andachtsräume finden sich darin und alles wurde in Eigenleistung errichtet sowie durch Spenden zahlungskräftiger Gläubigen. Dieses Zentrum ist das größte Deutschlands, vielleicht sogar das größte Europas, hieß es. Das Zentrum soll ein Ort der Begegnung sein, verschließen vor Kontakten mit anderen wolle man sich nicht. Schön, wenn dies auf beiden Seiten gelingt... |
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