Recklinghausen, 21.01.1998 |
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Festtafel in Fastenmonat: Gäste dürfen auch Gebet beobachtenGespräche über Glaubensgrenzen hinweg in der Paschenberg-MoscheeHERTEN. (rkl) Die Zahl der Hertener Nicht-Muslime, die schon einmal eine Moschee von innen gesehen haben, dürfte nicht allzu groß sein - obwohl die islamische Gemeinde am Paschenberg sich seit Jahren bemüht, das zu ändern. Einmal im Jahr laden die Verantwortlichen um den Schriftgelehrten Aydin Ören Gäste zum Essen ein - mitten im Fastenmonat Ramazan (nicht Ramadan!). Das erste Gesprächsthema ist damit schon vorgegeben. |
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![]() Festmenü im Fastenmonat: Nach Sonnenuntergang gemeinsam zu speisen, ist eine Tradition im islamischen Ramazan: Die islamische Gemeinde am Paschenberg lädt auch gern Gäste in ihre Moschee ein. |
"Iftar-Essen" ist der offizielle Titel der Veranstaltung. So nennen
die Muslime das Mahl, das sie nach Sonnenuntergang zu sich nehmen dürfen.
Gerade im Fastenmonat kommt das Erlesenste auf den Tisch, was die türkische
Küche zu bieten hat: Kebap in Variationen, raffinierte Salate, ofenfrisches
Fladenbrot ... auch das ist Ramazan.
Es geht in dem Monat der Enthaltsamkeit, der am 31. Dezember begann, eben nicht nur um Hunger und Entbehrung. Das erklärten die Koran-Kundigen schon im Vorjahr, das erklären sie wieder. Das Iftar-Mahl wird gern im großen Kreis eingenommen, mit Freunden und Gästen - genau so wie an diesem Abend in der Moschee an der Feldstraße. Ramazan - das ist für Musli-me auch eine Zeit intensiver Gespräche. Es gibt im Islam eine Pflicht zu Versöhnung und Vergebung in diesen Wochen. Daß dabei auch Nicht-Muslime an der Festtafel Platz nehmen, aus nächster Nähe miterleben, wie die Gläubigen dem Gebetsruf Örens folgen kein Problem für die Gast-geber. Das Vorurteil von der Geheimnistuerei im Islam reizt zum Lachen - das dürfte jedem am Tisch schnell klar werden. Was die Gäste an diesem Abend auch erfahren: Der Fastenmonat endet am 29. Januar. Was dann folgt: Bayram, das Zuckerfest - auch einer der wichtigen Termine im islamischen Kalender, fast wie Weihnachten für Christen. Viele Türken haben es sich angewöhnt, ihren deutschen Nachbarn "Frohe Weihnachten" zu wünschen, obwohl sie selbst damit nichts zu tun haben. Wer sich mit einer netten Geste revanchieren will, hat dazu ab 29. Januar die Gelegenheit. Anderen zum Zuckerfest Glück und Gesundheit zu wünschen, ist eine alte Tradition der Muslime. |