Islamischer Verband will Villa wieder für die Bürger öffnen - Generalsekretär weist Befürchtungen der Bevölkerung zurück
"Hahnenburg" wird zum Kulturzentrum
 
 
 Buchheim, 17.08.1996
Von Katrin Schultz 
Buchheim. Das Rätsel ist gelöst und die Pforten der Villa "Hahnen-burg" werden sich endlich wieder für alle Besucher, Interessenten und Freunde des denkmalgeschützten Objektes öffnen: Der "Verband der islamischen Kulturzentren e. V." will in dem Gebäude eine Begegnungs-stätte einrichten.
Seit dem l9. Juli hat das alte Ge-mäuer wieder einen Besitzer. Nach-dem es in den letzten Jahren als Re-staurant und bis April 1994 als letzter Wohnsitz des Grafen Dieter Fried-rich Brockmann von Rothenburg gedient hatte, erwarb der Verband das stark heruntergekommene Anwesen nun für 2,65 Millionen Mark von der Stadtsparkasse Mülheim.
 
"Die Kosten für die Behebung al-lein der schlimmsten Mängel werden von sachkundigen Beratern auf min-destens 300 000 Mark geschätzt", so Ibrahim Cavdar, Generalsekretär des 1973 gegründeten gemeinnützi-gen Vereins. Und dabei will es der Verband nicht belassen. "Wir wollen die alte Villa für die Öffentlichkeit zurückgewinnen. Die beiden oberen Etagen sollen der Unterbringung muslimischer Studenten dienen während der gesamte untere Bereich als Bibliothek, Kulturbereich und öf-fentliche Stätte der Begegnung fun-gieren wird", so Cavdar.

Doch bis dahin ist es noch ein wei-ter Weg. Dach und, Außenwände der Villa sind durch Feutigkeit marode geworden, und die hintere Veranda

ist abgesackt. Der Verband will das Gebäude vollständig renovieren. Die Außenwände werden isoliert, alle Fenster doppelverglast, das-Mauer-werk wird trockengelegt, und es wird ein neues Dach aufgesetzt. Und es wird nicht das Kuppeldach einer Mo-schee werden, wie nach Angaben von SPD-Ratsmitglied Günter Neumann schon seit einiger Zeit in Buchheim spekuliert wird. Das Rätselraten um den weiteren Verwendungszweck der alten Villa hatte in der Bevölke-rung. bereits für Verwirrung gesorgt. Viele seien empört gewesen, als bei Aufräumarbeiten im Park des An-wesens einer der alten Bäume be-schnitten worden sei.

Dabei hat es sich lediglich um das Abtrennen einiger Äste gehandelt,


Die "Hahnenburg" wollen Selami Utku und Ibrahim Cavdar vom islamischen Verein der Öffentlichkeit zurückgeben. Fotos: Schultz
die einer Hauswand gefährlich nahe gekommen waren", beruhigte Ibra-him Cavdar, der jede bauliche Ver-änderung im denkmalgeschützten Haus mit der zuständigen Behörde gemeinsam angeht. "Da der Park aufgrund von Widersprüchen der Vorbesitzer nicht in den Denkmal-schutz miteinbezogen ist, tun wir hier alles, was uns möglich ist, um ihn in seine alte Schönheit zurück-zuversetzen", erläutert der General-sekretär.
Teilweise arbeiten bis zu 150 Mit-glieder des gemeinnützigen Vereins ehrenamtlich an den Wochenenden für die Entstehung ihres neuen Kul-turzentrums — ein Grund dafür, daß bei der Renovierung des gesamt
Anwesens viel Geld eingespart wer-den kann. "Wir rechnen mit über ei-ner halben Million Mark, die wir al-lein für Materialkosten investieren werden", schätzt Cavdar. 
In der nächsten Woche steht ein Termin mit Stadtkonservator Dr. Ulrich Krings auf dem Programm. Wichtiger Punkt des Gesprächs wird auch der geplante Neubau an der Mauer Dellbrücker Hauptstraße sein, der einen weiteren Zugang zum Park schaffen soll und Gebetsräume, in späterer Zeit eventuell auch Geschäftsräume beherbergen wird. Der Neubau soll in den kostbaren Baum-bestand eingefügt werden und ist im Stil der im Berliner Klassizismus erbauten Villa geplant.
 

In sehr schlechtem Zustand ist die denkmalgeschützte alte Villa in Buchheim