| Karlstadt - Vor fast genau zwei Jahren
wurde in Karlstadt der Grundstein gelegt für eine Ge-bets- und Begegnungsstätte,
die im weiten Umkreis ihresgleichen sucht. Und da steht sie nun in strahlendem
Weiß mit ihren neun Kuppeln und dem erhabe-nen Minarett: Die Moschee
in der Schönerstraße wurde am vergangenen Sonntag im Rahmen
einer bewegenden Eröff-nungsfeier, die störungsfrei ver-lief,
ihrer Bestimmung übergeben.
Türkische Mitbürger aus der Kreisstadt: sowie
der näheren und weiteren Umgebung waren |
gekommen. Frauen mit Kopf- tüchern und
langen Gewändern breiteten Teppiche am Rande des Festgeländes
aus. Kinder spielten auf der gesperrten Stra-ße. Für viele Deutsche
war es das erste Mal, daß sie ein türki-sches Gebetshaus betraten.
In dem vollbesetzten Festzelt vor der Moschee nahmen Eh-rengäste
aus Politik, Wirtschaft, dem geistlichen und öffentli-chen Leben ihre
Plätze ein. Wahrend die Festredner noch ein ,,orientalisches Viertelstündchen"
verstreichen ließen, bummelten draußen hunderte Men- |
kische Gemeinde gestellt habe, sowie an Bürgermeister
Karl Heinz Keller. Dieser habe während des gesamten Baus die Gemeinde
mit Rat und Tat unterstützt. "Das Gebäude würde heute nicht
hier stehen, hätte der Bürgermeister das nicht so vorangebracht."
Beifall.
,,Diese Moschee ist nicht nur für Muslime gebaut,
sondern für alle, die den Dialog wollen", betonte der Imam der Karlstadter
Gemeinde Nihat Bicer. Sein be-sonderer Dank ging an Landrat Armin Grein,
der sich in den ver-gangenen Jahren bei Demon |
strationen schützend vor die tür kischen türkischer
wie deutscher Nationalität über das Gelände
Weiter dankte Bihac der Chefin des Karlburger Planungsbüros
Doris Ruf, in deren Händen die Bauleitung lag. "Sie ist die erste
uns bekannte Frau, die den einer Moschee geleitet hat", sagte der Imam.
Den Planentwurf hatte der türkische Architekt Nejdet Demirgülle
erstellt.
Rückblende: 1992 erwarb der Karlstadter Verband Islamischer
Kulturzentren für 400 000 Mark das 1833 Quadratmeter große |
Groß war am vergangenen Sonntag die Zahl der Ehrengäste bei
der Eröffnung der neuen Moschee in Karlstadt. Den Worten von Gemeinde-lmam
Nihat Bicer lauschten (von links) Kreisrat Harald Schneider, Bürgermeister
Karl-Heinz Keller, Landtagsabgeordneter Heinz Mehrlich, stellvertretender
Landrat Roland Metz, Landtagsabgeordneter Eberhard Sinner und Bundestagsabgeordnete
Heidi Wright. |
Gelände in der Schönerstraße.
Als man die Baupläne vorlegte, habe der Bürgermeister gefragt,
ob die vorgesehene Bauweise mit Satteldach für Moscheen üblich
sei, wie Bicer sich erinnerte.
Normalerweise gehören Kup-peln auf eine Moschee,
lautete damals die Antwort. Da habe Keller gemeint, dann sollen wir wenigstens
eine ordentliche Mo-schee bauen mit Kuppeln und Minarett, erzählte
der Imam eine Anekdote aus der Planungspha-se. 1993 kam die Befreiung vom
Bebauungsplan hinsichtlich der Kuppeldächer, wobei das Ge-bäude
auch mit seinem Mo-scheenturm, dem Minarett, an-sonsten den Richtlinien
für die-ses Gewerbegebiet entspricht.
Für Grunderwerb und Bau-kosten in Höhe von insgesamt
2,7 Millionen Mark brachten die Muslime 700 000 Mark mit Spendengeldern
selbst auf. Der Rest wurde über Kredite finan-ziert. Ein Großteil
der Bauarbei-ten entstand in Eigenleistung.
Während der gesamten Bau-phase hatten zahlreiche
Interessierte die Moschee besucht, berichtete der Redner weiter. Al-lein
am vergangenen Samstag ließen sich 3000 Menschen beim ,,Tag der offenen
Tür" be-eindrucken von der aufwendi-gen Ausstattung der Moschee: Ein
funkelnder Kronleuchter di-rekt unter der Kuppel beleuchtet den mit kunstvollen
türkischen Kacheln versehenen und mit Teppichen ausgelegten Gebets-raum.
Malereien und Ornamente zieren das 240 Quadratmeter große Herzstück
der Moschee.
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