Regionales 28.05.1996
Moschee in Karlstadt offiziell ihrer Bestimmung übergeben 
Eine: Stätte des Dialoges 
und der Begegnung
 KARLSTADT (MM) 
"Da müssen die Socken aber immer schön ge-stopft sein", sagte eine Besucherin der Moschee und blickte prüfend auf ihre Füße. 

Rund 3 000 Menschen folgten am "Tag der offenen Tür" in der Sultan-Süleyman-Moschoe in Karl-stadt (Lkr. Main-Spessart) dem isla-mischem Ritus und entledigten sich ihres Schuhwerks, bevor sie sich das orientalische Gotteshaus zeigen und erklären ließen. 

Zwei Tage lang feierten deutsche und türkische Bürger gemeinsam mit Tee und Döner-Kebab auf dem Gelände im Gewerbegebiet "Schö-

nerstraße". Dort hatte der der Ver-hand Islamischer Kulturzentren in rund zweijähriger Bauzeit die Mo-schee errichtet (wir berichteten). Am Sonntag wurde sie offiziell ihrer Bestimmung übergeben. 

Etwa 2 000 Besucher, darunter zahlreiche Ehrengäste aus Politik, Verwaltung, Vereinen, Schulen und der Geistlichkeit, nahmen an dem Festakt teil. Die Veranstaltun-gen verliefen sehr harmonisch und ohne jegliche Störungen, teilte die Polizeiinspektion Karlstadt mit, die im Hinblick auf das mögliche Er-scheinen der Nationaldemokrati-schen Partei Deutschlands (NPD) Sicherheitsvorkehrungen getroffen hatte. 

Die Moschee sei ein Symbol für Toleranz und Glaubensfreiheit, betonte Imam Nihat Bicer vom Verband Islamischer Kulturzentren in Karlstadt. Sie solle allen Menschen offenstehen. Vertreter des Verban

-des aus München, Köln, Frankfurt und Aschaffenburg erwiesen ihren muslimischen Glaubensbrüdern ihre Reverenz. 

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Heidi Wright, Landtagsabgeordne-ter Eberhard Sinner (CSU), die Ver-treter des Landrats, Roland Metz und Harald Schneider, sowie Karlstadts Bürgermeister Karl-Heinz Keller und der evangelische Geist-liche Thomas Eckle brachten in Grußworten ihre Hochachtung vor dem Bauwerk zum Ausdruck. Eine Stätte des Dialoges und der, Begeg-nung solle die Moschee werden. 

Bürgermeister Karl-Heinz Keller, MdB Heidi Wright und Dr. Nurettin Akman, Präsident des Verbandes der Islamischen Kulturzentren in Europa, durchschnitten das Band am Eingang der Moschee und über-gaben das Gebäude symbolisch sei-ner Bestimmung.