Main Post, 22.05.1996
FOTO MOLDENHAUER
Neun kupferglänzende, vom Halbmonden bekrönte Kuppeln und das Minarett prägen das Bild der "Sultan-Süleyman-Moschee" in Karlstadt (Lkr. Main-Spessart), die am Pfingstsonntag nach rund zweijähriger Bauzeit ihrer Bestimmung übergeben wird.
Sultan-Süleyman-Moschee wird an Pfingsten in Karlstadt ihrer Bestimmung übergeben
Muezzin ruft nicht vom Minarett
 
KARLSTADT
Mit ihren neun kupfer-
glänzenden Kuppeln 
und dem Minarett läßt 
die neue Moschee 
den Zauber des Morgen-
landes erahnen.

VON M. MOLDENHAUER

Am Pfingstsonntag wird die "Sul-tan-Süleyman-Moschee", die der türkische Verband Islamischer Kul-turzentren in Karlstadt (Lkr. Main-Spessart) errichtet hat, nach knapp zweijähriger Bauzeit ihrer Bestim-mung übergeben. Am Samstag, 25. Mai, bietet der Verband von 9 bis 19 Uhr einen Tag der offenen Tür in der Moschee an.

Zur Erinnerung: Im Frühsommer 1992 kaufte der in Karlstadt 76 Mitglieder zählende Verband dessen Zentrale in Köln sitzt, ein rund 2000 Quadratmeter großes Gelände in der Kreisstadt, um ein islami-sches Gebets und Kulturzentrurn zu bauen. Die Moschee in der Alt-stadt war zu klein geworden.

Im Jahr darauf ertellte der Karl

-stadter Bauausschuß seine Zustim-mung zu einer Bebauungs planbefreiung, die für die Kuppeldächer notwendig war. Ansonsten ent-rprach das Vorhaben - auch, das geplante Minarett - den Festsetzun-gen für das Gewerbegebiet Schö-nerstraße. Der Muezzin wird je-doch den Gebetsruf nicht, wie in islamischen Ländern üblich vom Minarett erschallen lassen. Dies ist in der Baugenehmigung so ver-ankert. Im Juli 1994 erfolgte die Grundsteinlegung.-

Bei der Übergabe an Pfingsten - der Termin wurde wegen des für auswärtige Gäste günstigen langen Wochenendes gewählt - wird der später 1500 Quadratmeter umfas sende Gebäude komplex noch nicht vollendet sein. Ein Wohn- und Ge-schäftshaus ist noch in Planung.

Großer Gebäudekomplex

Die Moschee besteht aus den Gebetsräumen, für Männer und Frau-en getrennt, den Einrichtungen für rituelle Waschungen und einem großzügigen Aufenthalts- und Se minarraum im Keller. Ein Zwi-schentrakt beherbergt einen Raum für Übernachtungen, ein Zimmer für Ehrengäste und ein Verwal-tungsbüro im Obergeschoß; im Un

tergeschoß wird ein Geschäft einge-richtet. Im sich anschließenden Gebäude werden ein Reisebüro und eine Teestube eröffnet. Darüber hat der Imam Nihat Bicer Wohnung bezogen. Die gewerblichen Einrich-tungen betreibt der Verband nicht selbst, sie sind vermietet.

2,3 Millionen DM kostet das Pra-iekt wobei die Baukosten für das weitere Gebäude noch nicht be-rücksichtigt sind, informiert Asim Bastürk Schatzmeister des Verbandes islamischer Kulturzentren in Karlstadt. Kredite und Spenden bil-den die finanzielle Basis. 

"Etwa 40 Prozent des Baus", schätzt Bastürk, "wurden in Eigen-leistung erstellt." Die restlichen Aufträge wurden an hiesige Firmen vergeben. Die Bauleitung lag in den Händen einer Frau, dem Planungs-büro Doris Ruf (Karlburg). Den Ent-wurf für das Kulturzentrum hat der türkische Architekt Nejdet Demir-glle erstellt.

Sind die Räumlichkeiten sonst eher schlicht gehalten öffnet der Gebetsraum den Blick in das Reich der Märchen aus "Tausend-und--einer-Nacht". Ein funkelnder Kron-leuchter hängt von der Kuppel herab, die der türkische Künstler Feyzullah Coskuner mit farben-prächtigen Ornamenten und golde

nen, arabischen Lettern gestaltet hat. Er hat auch die Malereien um die Fenster und Wandleuchter geschaffen sowie die Empore, von wo aus die Frauen an den Gottesdiensten teilnehmen.

Kunstvoll verkleidet
Komplett mit kunstvollen Kacheln verkleidet, die aus der Türkei nach Karlstadt gebracht wurden, ist die Seite des Gebetsraums, wo sich die Predigerkanzel, die in Richtung Mekka gewandte Gebetsnische und die Stufenkanzel befinden.

Seitens der Bevölkerung sieht Vorbeter Bicer großes Interesse an der Moschee. In seinem Gästebuch haben sich bereits Schulklassen, Vereine und eine Bundeswehreinheit verewigt. Am Tag der offenen Tür können nun alle Bürger die Moschee besichtigen.

Die rechtsextreme Nationaldemokratische Partei (NPD), die mehrfach bei Veranstaltungen in Karlstadt Stimmungen gegen den Moscheebau gemacht hatte, hat angekündigt bei der Übergabe der Moschee "vor Ort" sein zu wollen. Ein Versammlung hat die Partei bislang nicht angemeldet. Die Polizei ist vorsorglich auf alle Eventualitäten vorbereitet.