KARLSTADT
Mit ihren neun kupfer-
glänzenden Kuppeln
und dem Minarett läßt
die neue Moschee
den Zauber des Morgen-
landes erahnen.
VON M. MOLDENHAUER
Am Pfingstsonntag wird die "Sul-tan-Süleyman-Moschee", die der
türkische Verband Islamischer Kul-turzentren in Karlstadt (Lkr. Main-Spessart)
errichtet hat, nach knapp zweijähriger Bauzeit ihrer Bestim-mung übergeben.
Am Samstag, 25. Mai, bietet der Verband von 9 bis 19 Uhr einen Tag der
offenen Tür in der Moschee an.
Zur Erinnerung: Im Frühsommer 1992 kaufte der in Karlstadt 76 Mitglieder
zählende Verband dessen Zentrale in Köln sitzt, ein rund 2000
Quadratmeter großes Gelände in der Kreisstadt, um ein islami-sches
Gebets und Kulturzentrurn zu bauen. Die Moschee in der Alt-stadt war zu
klein geworden.
Im Jahr darauf ertellte der Karl |
-stadter Bauausschuß seine Zustim-mung zu einer Bebauungs planbefreiung,
die für die Kuppeldächer notwendig war. Ansonsten ent-rprach
das Vorhaben - auch, das geplante Minarett - den Festsetzun-gen für
das Gewerbegebiet Schö-nerstraße. Der Muezzin wird je-doch den
Gebetsruf nicht, wie in islamischen Ländern üblich vom Minarett
erschallen lassen. Dies ist in der Baugenehmigung so ver-ankert. Im Juli
1994 erfolgte die Grundsteinlegung.-
Bei der Übergabe an Pfingsten - der Termin wurde wegen des für
auswärtige Gäste günstigen langen Wochenendes gewählt
- wird der später 1500 Quadratmeter umfas sende Gebäude komplex
noch nicht vollendet sein. Ein Wohn- und Ge-schäftshaus ist noch in
Planung.
Großer Gebäudekomplex
Die Moschee besteht aus den Gebetsräumen, für Männer
und Frau-en getrennt, den Einrichtungen für rituelle Waschungen und
einem großzügigen Aufenthalts- und Se minarraum im Keller. Ein
Zwi-schentrakt beherbergt einen Raum für Übernachtungen, ein
Zimmer für Ehrengäste und ein Verwal-tungsbüro im Obergeschoß;
im Un |
tergeschoß wird ein Geschäft einge-richtet. Im
sich anschließenden Gebäude werden ein Reisebüro und eine
Teestube eröffnet. Darüber hat der Imam Nihat Bicer Wohnung bezogen.
Die gewerblichen Einrich-tungen betreibt der Verband nicht selbst, sie
sind vermietet.
2,3 Millionen DM kostet das Pra-iekt wobei die Baukosten für das
weitere Gebäude noch nicht be-rücksichtigt sind, informiert Asim
Bastürk Schatzmeister des Verbandes islamischer Kulturzentren in Karlstadt.
Kredite und Spenden bil-den die finanzielle Basis.
"Etwa 40 Prozent des Baus", schätzt Bastürk, "wurden in Eigen-leistung
erstellt." Die restlichen Aufträge wurden an hiesige Firmen vergeben.
Die Bauleitung lag in den Händen einer Frau, dem Planungs-büro
Doris Ruf (Karlburg). Den Ent-wurf für das Kulturzentrum hat der türkische
Architekt Nejdet Demir-glle erstellt.
Sind die Räumlichkeiten sonst eher schlicht gehalten öffnet
der Gebetsraum den Blick in das Reich der Märchen aus "Tausend-und--einer-Nacht".
Ein funkelnder Kron-leuchter hängt von der Kuppel herab, die der türkische
Künstler Feyzullah Coskuner mit farben-prächtigen Ornamenten
und golde |
nen, arabischen Lettern gestaltet hat. Er hat auch die Malereien um
die Fenster und Wandleuchter geschaffen sowie die Empore, von wo aus die
Frauen an den Gottesdiensten teilnehmen.
Kunstvoll verkleidet
Komplett mit kunstvollen Kacheln verkleidet, die aus der Türkei
nach Karlstadt gebracht wurden, ist die Seite des Gebetsraums, wo sich
die Predigerkanzel, die in Richtung Mekka gewandte Gebetsnische und die
Stufenkanzel befinden.
Seitens der Bevölkerung sieht Vorbeter Bicer großes Interesse
an der Moschee. In seinem Gästebuch haben sich bereits Schulklassen,
Vereine und eine Bundeswehreinheit verewigt. Am Tag der offenen Tür
können nun alle Bürger die Moschee besichtigen.
Die rechtsextreme Nationaldemokratische Partei (NPD), die mehrfach bei
Veranstaltungen in Karlstadt Stimmungen gegen den Moscheebau gemacht hatte,
hat angekündigt bei der Übergabe der Moschee "vor Ort" sein zu
wollen. Ein Versammlung hat die Partei bislang nicht angemeldet. Die Polizei
ist vorsorglich auf alle Eventualitäten vorbereitet. |