Kölner Stadtanzeiger, 05.10.1994 |
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Die Einheit muß Platz für alle Menschen bieten"Gebet der Religionen" wird wiederholt |
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Ein Einheits-Fest mit Folgen: Die Begegnung von Christen, Juden und Muslimen soll zur festen Einrichtung werden. Das "Gebet der Religionen" mit zentralen Texten der drei Glaubenslehren, das am Montag in der Trinitatiskirche gehalten wurde, wird nun als Veranstaltung der Kölnischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit an jedem Tag der Deutschen Einheit stattfinden. Am Sonntag hatten sich bereits über 1000 Menschen, darunter diplomatische Vertreter aus Israel und Ägypten sowie der Palästinenser, in der Moschee Vogelsanger Straße getroffen (wir berichteten). Günther Ginzel, Vorsitzender der Kölnischen Geselchaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, freute sich über die Resonanz. "Mit einem solchen Erfolg hatte ich nicht gerechnet", sagte er bewegt. Am Sonntag waren 1000 Besucher in die Moschee gekommen und hatten bis Mitternacht über Gott und die Welt diskutiert. Auch Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth, die dort als Ehrengast die Festrede hielt, zeigte sich beeindruckt von den vielen Menschen - und von der Gelegenheit in einer Moschee zu sprechen. "Ich habe mir diese Gelegenheit lange gewünscht", sagte sie gleich zu Beginn ihrer Ansprache. Sie forderte die Bevölkerung auf, eindeutiger als bisher nein zur Gewalt gegen Fremde und sozial Benachteiligte zu sagen. Begegnung könne nicht nur mit dem Kopf geschehen, es erfordere den ganzen Menschen. Es ginge um die gelebte Einheit, in der Menschen jeder Herkunft ihren Platz fänden. Und hier sei es gerade Aufgabe der Religionen, mitzuhelfen, diese Einheit zu schaffen. Auch das Schauspielhaus will sich ab jetzt jedes Jahr beteiligen. Dort fand am Montag abend eine Podiumsdiskussion statt, Themen waren unter anderem das skandalöse Mannheimer Gerichtsurteil über den Rechtsradikalen Günther Deckert, der von den Richtern in der Urteilsbegründung unter anderem als verantwortungsvoller Mensch hingestellt worden war, und der Umgang der deutschen Justiz mit Altnazis. "Die bundesdeutsche Justiz hat ihren Beitrag dazu geleistet, daß die Mörder davongekornmen sind", so der Kölner Schriftsteller Ralph Giordano. Für den früheren Bundesinnenminister Gerhart Baum wäre so ein Skandalurteil vor wenigen Jahren noch nicht möglich gewesen: "Hätten wir nur mit einem Bruchteil der Energie, mit der wir die Terroristen verfolgten, die Nazi-Täter verfolgt, brauchten wir uns heute hier nicht darüber zu unterhalten." |
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