Ruhr Nachrichten, 25.04.1991

84jährige bei Brand erstickt
Moschee: Erneut Feuer gelegt.

Serie gefährlicher Brände in der Nacht zum Mittwoch gelöscht

Gelsenkirchen. Bei einem Brand im Haus Hilde-gardstraße 21 in Bulmke kam Mittwoch in der Frühe eine 84jährige Mieterin ums Leben. Die Feuerwehr wurde durch eine Serie von Bränden so gefordert, daß sie die freiwillegen Wehren zu Hilfe rufen mußte.

Der Gebetsraum der Muslime an der Kurt-Schumacher- Straße wurde strak mitgenommen von einem Brand, der den Vorraum völlig verwüstet. Die Polizei vermutet Brandstiftung und sucht nach zwei Verdächtigen, die in der Nacht beobachtet worden waren. Nachbarn berichteten, die die Moschee habe jetzt schon zum viertenmal in Flammen gestanden.


Nur ein Gerümpelhaufen blieb Übrig von der Einrichtung der Wohnung an der Hildegardstraße, in der eine 84jährige in der Nacht zum Mittwoch bei einem Brand den Tod fand. Polizei und Feuerwehr haben noch keine Erkenntnisse über die Brandursache.

Um 3.10 Uhr, wurde der Brand an der Hildegardstraße gemeldet. Um 3.25 Uhr wurde die Wehr zur Grillostraße 76 gerufen, fünf Minuten später gab es einen Brand an der Kurt-Schumacher-Straße, Ecke Gewerkenstraße. Am späteren Morgen, gegen 9.50 Uhr, brannte es im Haus Gustavstraße 13-15, in dem ein Kindergarten und die Kleiderkammer der Stadt untergebracht sind.

Alarm durch Mitbewohner

Ein Mitbewohner des Hauses Hildegardstraße 21 entdeckte den Brand in der Wohnung der 84jährigen. Die Hausbewohner, auch die eines Nachbarhauses, wurden für die Dauer der Löscharbeiten nach draußen geholt. Aus einer Dachgeschoßwohnung wurden zwei Erwachsene und ein Kind mit der Drehleiter gerettet.

Die 84jährige fanden die Feuerwehrleute am Boden liegend mit schweren Rauch- und Brandverletzungen. Sie starb wenig später im Krankenhaus. Ein Raum der Zwei-Zimmer-Wohnung war völlig ausgebrannt. Auf der Straße wurde ein Auto von herabfallenden Fensterscheiben beschädigt.

Am Haus Grillostraße 76 brannte lediglich Sperrmüll. Durch die Hitze-Entwicklung platzten jedoch die Fensterscheiben im Haus, herabfallendes Glas beschädigte unten abgestellte Fahrzeuge, und in einem Telefon-Verteilerkasten schmorten die Kabel durch.

Weil es nur fünf Minuten später eine Ecke weiter, an der Kurt-Schumacher-Straße, erneut brannte, vermutet die Polizei einen Zusammenhang. Beim Eintreffen der Feuerwehr brannte die Hauptfassade des Hauses, in dem sich eine Moschee befindet. Die Hausbewohner mußten den Bau verlassen; sie fanden bei Verwandten Unterkunft.

Nach Hinweis: Polizei nahm zwei Männer fest

Zur Zeit des Brandes hielten sich rund 30 Personen, vor dem Gebäude auf. Ein Zeuge bemerkte zwei Männer, die in Richtung Schalke-Nord flüchteten. Die Polizei verfolgte sie, nahm aber offenbar die falschen fest, wie sie gestern einräumte.

Die Moschee selbst wurde bei dem Brand nur mäßig beschädigt, ein Vorraum brannte total aus. Auch hier wurden parkende Fahrzeuge beschädigt. Die Polizei schließt politische Motive für die vermutete Brandstiftung aus. Bei den Löscharbeiten verletzte sich ein Feuerwehrmann beim Sturz von einer Leiter.

Ein Nachbar berichtete, die Moschee habe in dieser Nacht bereits zum viertenmal in Flammen gestanden. Die Rauchentwicklung bei diesem Feuer war gewaltig; und wenn der Brand nicht zu nachtschlafener Zeit ausgebrochen wäre, hätte vermutlich die Kurt-Schumacher-Straße voll gesperrt werden müssen.

Mutmaßliche Brandstifter sind noch nicht gefaßt

Die beiden noch flüchtigen mutmaßlichen Brandstifter sollen etwa 20 Jahre alt sein, einer ist dunkelblond, trug eine blaue Jeans und dunklen Pullover, der andere hat blonde, etwas längere Haare, trug einen roten Anorak und blaue Jeans.

Schließlich am Vormittag noch der Brand an der Gustavstraße: Er brach im Abstellraum der Hausmeister- wohnung aus. Die liegt unter dem Dach. Die Mitarbeiter der Kleiderkammer wurden kurzfristig evakuiert, die Eltern holten die Kindergartenkinder wegen des Brandes nach Hause. Die Flammen waren schnell gelöscht.