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Mystische Ausrichtung
Der Verband der
Islamischen Kulturzentren gehört der sunnitisch-hanefitischen
Ausrichtung des Islam an. Unter den Mitgliedern gibt es viele Muslime
die auch eine mystische Ausrichtung des Islam praktizieren. Islamische
Mystik wird auch als Sufismus (tasavvuf) bezeichnet. Sufis, Vertreter
des Sufismus, setzen die absolute Liebe zum Schöpfer in den Mittelpunkt
ihres Denkens und Handelns. Neben der Erfüllung der religiösen Pflichten sucht der Sufi das
direkte Erleben Gottes (marifetullah).
Die mystische Ausrichtung des Verbandes ist geprägt durch die Elemente
der Sufigemeinschaft der Naqschibandiyya. Die Naqschibandiyya ist eine
„nüchterne“ Sufigemeinschaft des Islam, der im 14. Jahrhundert in
Zentralasien entstand. In der Mitte des 20. Jahrhunderts entstand um den
Gelehrten Süleyman Hilmi Tunahan (k.s.) eine Gemeinschaft in der Türkei, die in ihrer religiösen Ausrichtung
auch den Prinzipien der Naqschibandiyya folgte. Einige Schüler von
Süleyman Efendi emigrierten in den 70er Jahren nach Deutschland und
gründeten dort den Verband der Islamischen Kulturzentren.
Elemente
Der VIKZ übernahm aus der
Naqschibandiyya-Tradition folgende Elemente:
"Wahrlich durch Zikr Allahs, Gedenken an Allah, werden die Herzen stille" (Quran 13:23)
Der „stille Zikir“ (zikri hafi), das „Ichlas Hatim“ und die „Sohbet“. Der "stille Zikir“ ist eine Form der Meditation, bei welcher der Teilnehmer sich innerlich Gott zuwendet und ihm gedenkt. Das Ichlas Hatim ist eine besondere Form der Koran-Rezitation. Im gemeinsamen Kreis wird speziell die 112. Sure „Ichlas“ (Sure der Aufrichtigkeit) rezitiert. Im Rahmen der Sohbet werden in der Gemeinschaft religiöse Themen wie auch mystische Aspekte des Islam behandelt.
Anders als die Naqschibandiyya ist der VIKZ nicht als Sufi-Orden
sondern als Religionsgemeinschaft organisiert. Als Sufimeister
(Mürschid) gilt der im Jahre 1959 verstorbene Süleyman Efendi (k.s.).
„Süleymancılık“
Gelegentlich werden
Angehörige des Verbandes der Islamischen Kulturzentren mit der
Bezeichnung "Süleymancı" (Süleymanisten) umschrieben.
In der Türkei wurden die Schüler von Süleyman Efendi (k.s.) nach dessen
Tode als „Süleymancis“ bezeichnet. Mit der Einführung des Laizismus im
Jahre 1924 in der Türkei übernahm die Diyanet İşleri Başkanlığı (das Amt
für religiöse Angelegenheiten) die Kontrolle über das gesamte religiöse
Leben. Dies hatte zur Folge, dass alle religiösen Bildungsstätten im
Land geschlossen bzw. unter die staatliche Kontrolle überführt und
unterstellt wurden. Private Lehrtätigkeit wurde verboten. Hiervon war
auch die Lehrtätigkeit von Süleyman Efendi (k.s.) betroffen. Dieser hat
jedoch seine private Lehrtätigkeit nicht eingestellt und betätigte sich
weiterhin als Prediger im Beamtenstatus.
In den Folgejahren war der
Begriff „Süleymancılar“ in der türkischen Öffentlichkeit daher negativ
behaftet, da der Staat in seinem besonderen laizistischen
Selbstverständnis versuchte jedwede private religiöse Unterweisung zu
unterbinden. Die Angehörigen der Gemeinschaft lehnen folglich den
Begriff ab und identifizieren sich lediglich als Schüler von Süleyman
Efendi (k.s.).
Süleyman Hilmi Tunahan Efendi (k.s.) (1888-1959)
Süleyman
Efendi kam 1888 in Ferhatlar (heute Delchevo im Bezirk Razgrad) im
heutigen Bulgarien zur Welt.
Nach seinem Abschluss an der Fakultät
für Exegese und Hadiswissenschaften war er als "Dersiâm" (Gelehrte
höchsten Grades des Hochschulwesens im Osmanischen Reich) an den Fatih
und Süleymaniye Medresen (Islamische Hochschulen) tätig. Im Laufe der
Vereinheitlichung des Bildungs- und Erziehungswesens in der nach
Gründung der türkischen Republik wurden die Medresen abgeschafft. Somit
verlor Süleyman Efendi (k.s.) seine Stellung als Dersiâm und war von
da an als Prediger im Beamtenstatus in den großen Salatin-Moscheen
(Sultansmoscheen) in Istanbul tätig. Mit der Einführung des
Mehrparteiensystems ab 1946 und der Lockerung des Bildungswesens durch
die neugewählte Regierung gründete Süleyman Efendi (k.s.) ohne jegliche
staatliche Unterstützung eine Privatschule für religiöse
Grundausbildung. In kurzer Zeit bildete er viele Imame aus, die bei der
Diyanet İşleri Başkanlığı als Imame, Muezzine, Prediger und Muftis
eingesetzt wurden. Süleyman Efendi und seine Schüler sind Angehörige des
sunnitischen Islam und der hanefitischen Rechtsschule. Diese
Ausrichtung des Islam ist fern vom Extremismus und Fanatismus und
verfolgt eine moderate Linie.

