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11. August 2017 / 19. Zilkade 1438 - Brüder und Schwestern sein im Islam

Hutbe

Verehrte Muslime,

Brüder und Schwestern im Islam sein, darüber will ich heute in meiner Hutbe sprechen.

 Geschwister mögen verschieden sein und auch verschieden aussehen, dennoch ist ihre Bindung über Vater und Mutter so stark, dass sie sich in Notsituationen immerzu beistehen – Ausnahmen bestätigen die Regel. Sie haben von Kindesbeinen an gemeinsam Leid erfahren, haben gemeinsam gelacht und teilen viele Geheimnisse, Träume und Hoffnungen miteinander. Auch Streit untereinander, der von Zeit zu Zeit auftaucht, vergeht in dieser familiären Atmosphäre ganz schnell und es kommt dafür die Wärme von Liebe und Zusammenhalt wieder zurück. Auch bei der gerechten Verteilung des Erbes der Eltern unterstützen sie sich gegenseitig.

Im Islam ist das eng gezogene Verständnis von Bruder und Schwester erweitert worden auf alle Muslime der Welt. Rasûlullâh (s.a.v.) hat die Muslime zu Brüdern und Schwestern erklärt. Allah (c.c.) spricht hierzu in der Sûre Hucurat in der Âyet 10: “Die Mü'min sind ja Brüder. So stiftet Frieden zwischen euren Brüdern und praktiziert Ittikâ und Ehrfurcht vor Allâh, auf dass ihr Felâh und Erbarmen findet.”

In einer anderen Âyet-i Kerîme heißt es: „So gedenket der Gabe Allâhs für euch. Ihr waret ja Feinde untereinander und Er stiftete Vertrautheit zwischen euren Herzen. Und wegen dieser Gabe wurdet ihr zu Brüdern.”  Rasûlullâh (s.a.v.) spricht hierzu: “Ein Muslim ist des anderen Muslim Bruder, er tut ihm kein Unrecht an und händigt ihn auch keinem Ungerechten aus (also beschützt ihn).” 

Auch und weil Geschwister im Islam untereinander keine Verpflichtung zu Unterhalt oder Erbschaft haben ist ihr Band der Bruderschaft viel stärker. Dies erlaubt ihnen füreinander einzustehen und nützlich zu sein, sowohl in dieser Welt als auch in der Âhiret. Biologische Geschwister hingegen, die keine islamische Bindung untereinander aufgebaut haben, werden in der Âhiret nicht zusammenkommen können.

Diese Bruderschaft im Islam hat seinen eigenen Rechtekatalog und seine eigenen Verantwortlichkeiten. In einem von Hazreti Alî (k.v.) überlieferten Hadîs-i Şerîf heißt es:  “Der Muslim verfügt über 30 (dreißig) Rechte an einem anderen Muslim. Diese können nur vergolten werden in dem man sie ausführt oder der Muslim dem Muslim (diese Rechte) vergibt.”

Einige dieser Rechte möchte ich hier aufzählen: Der Muslim verzeiht den Fehler des Muslims; auf seine Tränen praktiziert er Merhamet und Güte; bedeckt dessen Makel und Fehler; akzeptiert seine Entschuldigung; hilft ihm wieder aufzustehen, wenn dieser gefallen ist; verhindert, dass über ihn Gıybet gemacht, also Schlechtes geredet wird; hört niemals auf ihm Nasîhat zu machen, das Gute zu empfehlen; bewahrt und pflegt seine Freundschaft mit ihm; besucht ihn bei seiner Krankheit; ist anwesend bei seinem Begräbnis; folgt seiner Einladung; nimmt sein Geschenk an; dankt ihm für seine Gefälligkeit; beschützt dessen Namus, dessen familiäre Unversehrtheit; kümmert sich um dessen Bedürfnisse; akzeptiert dessen Fürsprache und Hilfe; wenn dieser niest und “Elhamdü-lillah” sagt, entgegnet er ihm mit „yerhamükellah“ und antwortet mit dem Selâm, wenn dieser ihn mit dem Selam-Wort grüßt.

In der Geschichte der Muslime gibt es unzählige Ereignisse, die uns Beispiele und Vorbilder geworden sind und uns zeigen wie wichtig Bruderschaft im Islam ist. Erinnern wir uns zum Beispiel an die ersten Muslime, die unter schwersten Bedingungen ihre Heimat Mekke verlassen, ihr ganzes Hab und Gut zurückgelassen haben und nach Medine ausgewandert sind. Dort angekommen waren sie im wahrsten Sinne des Wortes arm. Rasûlullâh (s.a.v.) sammelte daraufhin seine Ashâb und erklärte 45 mekkanische Muslime zu Brüdern von 45 medinensischen Muslimen. Die medinensischen Muslime teilten all ihren Besitz mit ihren Brüdern. So linderte sich die Situation der mekkanischen Muslime, ihre Armut fand ein Ende und ihre Herzen füllten sich mit Liebe und Zuversicht. Später sogar beerbten sie sich gegenseitig.

Stellen wir uns einmal vor welch eine Freude wir empfinden würden, wenn uns diese Art von Brüderlichkeit und Freundlichkeit angetan würde. Ausgehend davon sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass auch wir auf den Bruder im Islam zugehen und diese Art von Brüderlichkeit praktizieren.

Beenden möchte ich meine Hutbe mit einem Hadis-i Şerîf von Rasûlullâh, dem Stolz der Welten: „Hasset euch nicht, neidet euch nicht, wendet euch nicht voneinander ab, beendet (auch) nicht euren Umgang miteinander. O ihr Knechte Allâhs, o ihr Menschen, werdet Brüder miteinander!”

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